Glossar · concept
Lead Time
Verstrichene Zeit zwischen Bestellauslösung und dem Moment, in dem die Ware verfügbar im Lager liegt — der grundlegende Input jeder Bestandspolitik.
WiederbeschaffungszeitLieferzeitDurchlaufzeit der Beschaffung
Lead Time (Wiederbeschaffungszeit) ist die gesamte verstrichene Zeit von der Bestellung bis zur tatsächlichen Verfügbarkeit der Ware im Lager. Sie zerfällt in Auftragsbearbeitung (Übermittlung und Lieferantenbestätigung), Produktions- oder Kommissionierzeit, Transportzeit sowie Wareneingang und Zollabwicklung. Sie ist auf zwei Ebenen entscheidend: (1) ihr Mittelwert geht in den Bestellpunkt der klassischen (s,S)-Politik (#004) ein als ROP = d·L, (2) ihre Varianz ist die Hauptquelle der Lead-Time-Bedarfsunsicherheit in der Sicherheitsbestandsrechnung (#011 Newsvendor-Logik). Bei stochastischer Lead Time wird die Sicherheitsbestandsvarianz zu σ² = L·σ_d² + d²·σ_L² — Lead-Time-Schwankungen werden mit dem Quadrat des mittleren Bedarfs verstärkt, sodass lange und instabile Lead Times den Sicherheitsbestand überproportional aufblähen. Im KMU-Kontext liegt ein inländischer Lieferant typischerweise bei 3-7 Tagen, ein kontinental-europäischer bei 2-3 Wochen, ein fernöstlicher Containerlieferant bei 6-10 Wochen. Lead-Time-Senkung — Wechsel auf Luftfracht, Kurzzyklus-Backup-Lieferant oder Vendor-Managed Inventory (VMI) — verkleinert den Sicherheitsbestand direkt und ist Voraussetzung für Make-to-Order- oder Assemble-to-Order-Geschäftsmodelle.
Örnek
Ein Möbel-KMU importiert Oberflächenfolie aus Fernost: mittlere Lead Time 56 Tage, Standardabweichung 12 Tage; Tagesbedarf 80 m², Tagesbedarfs-Standardabweichung 18 m². Für 95% Servicegrad ergibt die Standardformel Sicherheitsbestand ≈ 270 m², einschließlich der Lead-Time-Varianz aber ≈ 1.690 m². Nach Vertragsabschluss mit einem lokalen Backup-Lieferanten mit 10 Tagen garantierter Lieferung sinkt der Sicherheitsbestand um 70%.