Glossar · concept
Stockout
Ein Ereignis, bei dem ein SKU zum Zeitpunkt der Kundenanfrage einen Bestand von null hat — das grundlegende Ausfallereignis und die primäre KPI jeder Bestandspolitik.
FehlmengeOut of StockOOSLagerausverkauf
Ein Stockout ist die Situation, in der zum Zeitpunkt der Kundennachfrage der Bestand eines SKU bei null liegt. Operativ löst er sich auf zwei Wegen auf: (1) Lost Sale — der Kunde weicht auf eine andere Marke aus oder verzichtet, Umsatz und potenziell Loyalität gehen verloren; (2) Backorder — der Kunde akzeptiert eine Wartezeit, der Verkauf verschiebt sich. Welches Verhalten überwiegt, hängt von der Kategorie ab: Lebensmittel und Pharma neigen zum Lost Sale, kundenspezifische Möbel oder Nischen-B2B-Teile zum Backorder. Operations Research misst Stockouts mit drei Kernkennzahlen: Stockout-Wahrscheinlichkeit P(out), Fill Rate β (Anteil der ab Lager bedienten Nachfrage) und Cycle Service Level α (Anteil der Bestellzyklen ganz ohne Stockout). Die drei sind nicht gleich: 95% Cycle Service können mit 99% Fill Rate einhergehen. Newsvendor (#011), (s,S)-Politik (#004) und EOQ-mit-Fehlmenge (#093) modellieren die Stockout-Kosten als b₁ (Lost-Sale-Stückmarge) oder b₂ (Backorder-Wartestrafe je Einheit und Zeit). In KMU ist die Bewertung der Stockout-Kosten notorisch schwierig — sie ist keine feste Buchungsposition — und viele Firmen messen sie gar nicht. Ein schneller Schätzer: Stockout-Häufigkeit × durchschnittlicher Tagesumsatz × Stückmarge.
Örnek
Ein Fahrradteile-Großhändler mit 2.400 SKUs zieht CRM-Daten und sieht, dass 180 SKUs in den letzten 12 Monaten Stockouts hatten: 540 Vorfälle, im Schnitt 4 Tage je Vorfall, durchschnittliche Teilemarge 35 TL. Die geschätzten Lost-Sale-Kosten betragen rund 540 × 4 × 6 × 35 = 453.600 TL/Jahr. Eine Anhebung des Servicegrads des Sicherheitsbestands von 95% auf 98% würde etwa 190.000 TL zusätzliche Lagerkosten verursachen — eindeutig der profitable Schritt.