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Energie · Microgrid-Energiemanagement

PV, Batterie, Generator, Last — alle 15 Minuten: wie viel von welcher Quelle laufen lassen?

Energie 4 Min Lesezeit
#Microgrid #Energiemanagement #Model Predictive Control #Batteriespeicher #PV #Inselbetrieb #Erneuerbare-Integration

Für eine kleine Siedlung, einen Campus, ein Industriegebiet oder eine Tourismusanlage: Mix aus PV + Batterie + Dieselgenerator + flexible Lasten; alle 5-15 Minuten welche Quelle wieviel erzeugt, wieviel die Batterie lädt/entlädt, welche Lasten verschoben werden. Klassisches Microgrid-OR-Problem: Microgrid Energy Management — moderner dominanter Ansatz MPC.

Kurz gesagt

Sie betreiben eine Tourismusanlage, einen Universitätscampus, ein kleines Industriegebiet oder ein Insel-/Landgebiet mit 100-500 Haushalten und verfügen über 200-1500 kW Aufdach-PV, eine 100-500 kWh Batterie und einen 50-200 kW Backup-Dieselgenerator. Alle 5-15 Minuten müssen Sie vier verzahnte Entscheidungen treffen: wieviel Strom aus dem Netz beziehen und ob PV-Überschuss ins Netz oder in die Batterie geht, Batterie laden, entladen oder halten, den Generator zünden oder nicht, welche flexiblen Lasten jetzt oder später laufen. Falsche Reihenfolge: PV-Überschuss geht ohne Vertrag zurück ins Netz, nachts wird zum Spitzentarif eingekauft, der Generator verbrennt Diesel zur falschen Stunde, und beim Netzausfall bleibt unklar, ob kritische Lasten (Kühlkette, Serverraum, Aufzug) mit Strom versorgt werden. Faustregel-Dispatch in einer Anlage mit 1 MW PV + 500 kWh Batterie + 200 kW Generator verbrennt 0,8-3M TRY operative Marge pro Jahr.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Wir haben Dach-PV (200-1500 kW), ein Batteriespeichersystem (100-500 kWh) und einen Backup-Dieselgenerator (50-200 kW); welche Quelle wann läuft, entscheidet der Anlagenmechaniker nach Bauchgefühl.
  • PV erreicht mittags die Spitze, Überschuss wird ins Netz zurückgespeist; aber der Exportvertrag fehlt oder der Preis ist niedrig — wir haben eine Batterie, aber sie wird nicht in den richtigen Stunden geladen.
  • Time-of-Use-Tarif (Tag/Spitze/Nacht) ist klar, aber die Batterie-Lade-/Entladesequenz folgt der Kurve nicht; nachts beziehen wir zum Spitzentarif.
  • Der Dieselgenerator läuft 50-200 Stunden im Monat; wir wollen Kraftstoff- und Wartungskosten senken, aber die Auslöseregel (bei welcher Last, zu welcher Stunde) ist unklar.
  • Für eine Netztrennung (Inselbetrieb) haben wir keine Strategie für die kritischsten Lasten (Kühlraum, Serverraum, Aufzug); bei Trafo-Ausfall gibt es keinen Plan B.
  • Wir haben flexible Lasten (Klima 15 min verschiebbar, Wäscherei, Wärmepumpen-Vorkühlung); kein System koordiniert sie mit dem Energiepreissignal.
  • Wir prüfen eine PV-Erweiterung oder einen Batterieausbau; aber die Amortisationsanalyse auf bestehendem Last- + Erzeugungsprofil ist intuitiv, nicht numerisch.

Warum es wichtig ist

Verluste durch intuitives Microgrid-Management: (1) Solarexportverlust — ohne Exportvertrag liegt der Rückspeisepreis bei 0-2 TRY/kWh (3-5x unter Bezug); 200-800 kWh Solar-Überschuss täglich falsch geleitet bedeutet 80-400K TRY Jahresumsatzverlust; (2) Spitzentarif-Bezug — Nachttarif 40-60% unter Tag/Spitze; intelligentes Batteriemanagement senkt die Monatsrechnung um 15-30%; (3) Diesel-Kraftstoffverschwendung — Niedriglastbetrieb senkt den Kraftstoffwirkungsgrad um 15-25%; richtiges Timing (nur Spitze oder Inselbetrieb) reduziert die Jahreskraftstoffkosten um 20-40%; (4) Stromausfall im Inselbetrieb — Versagen beim Schutz kritischer Lasten bei unerwarteter Netztrennung verursacht 5-50K TRY/Stunde Produktions-/Betriebsverlust (leere Zimmer in Tourismusanlagen, Kühlketten-Verlust, Server-Crash). Felddaten zeigen 15-30% niedrigere Gesamtbetriebskosten und 20-40% höhere Erneuerbaren-Nutzung mit numerischem Microgrid-Management. Für ein mittleres Microgrid mit 1 MW Solar + 500 kWh Batterie + 200 kW Generator entspricht das einer Jahres-Margenverbesserung von 0,8-3M TRY.

Wie wird es gelöst?

Technische Tiefe

In einem Satz: Nimm die Wetterprognose der nächsten 24 Stunden, löse alle 15 Minuten “wie viel produziert PV, woher lädt die Batterie, läuft der Generator, welche Last verschoben wird” auf minimale Kosten, wende nur die ersten 15 Minuten an — und löse erneut, wenn die Prognose aktualisiert wird.

Das Problem wird in der Operations-Research-Literatur (Disziplin, die Mathematik und Computer für Geschäftsentscheidungen einsetzt) als Microgrid Energy Management (Mikronetz-Energiemanagement) behandelt; der moderne dominante Ansatz ist ein MILP, das in einem MPC-Rahmen (Model Predictive Control — Rolling-Horizon-Vorhersagesteuerung) gelöst wird. Lösung in drei Schritten:

1. Modellierung. Eingangsdaten: erneuerbare Quellen (pro PV-Feld: installierte Kapazität kW, momentane Erzeugungsprognose — inkl. Wolkenbewegung; bei Wind: Turbinenkurve), Batteriespeichersystem (BESS — Battery Energy Storage System; Kapazität kWh, aktueller SoC — State-of-Charge, Lade-/Entladegrenze kW, Round-Trip-Wirkungsgrad 85-95%, SoC-Untergrenze, Zyklen-Alterungskurve), Dieselgenerator (kW installiert, Minimallast, Kraftstoffkurve L/kWh, Minimum-Up/Down-Zeit — minimale An-/Auszeit, Kalt-/Warmstartkosten), Lastprofil (regelbare/feste vs flexible Lasten — jeweils mit Stundenbedarf und Flexibilitätsfenster), Hauptnetz (Time-of-Use Bezug/Einspeisetarif, momentaner Bezugslimit, Inselbetriebs-Wahrscheinlichkeit). Restriktionen: momentane Leistungsbilanz (Erzeugung = Verbrauch + Batterie laden/entladen + Netz Bezug/Einspeisung), SoC-Unter-/Obergrenzen pro Zeitschritt, Generator-Minimallast + Minimum-Up/Down, Batterie-Zyklen-Alterungskosten, Kontinuität kritischer Lasten im Inselbetrieb, Frequenz- und Spannungsstabilität (tertiärer Level der hierarchischen Steuerung). Ziel: minimale Gesamtbetriebskosten (Kraftstoff + Netzbezug - Netzeinspeisung + Batteriealterung); multikriteriell: Kosten + Emissionen + Zuverlässigkeit.

2. Solver-getriebene Entscheidung. Deterministisches MPC: kleines/mittleres Microgrid (3-10 Quell-/Lastkomponenten) per MILP (Mixed-Integer Linear Programming — Optimierung mit teils 0/1-, teils stetigen Variablen) — 24-48h-Horizont, 5-15 Min-Zeitschritt; pro Schritt binäre Entscheidungen (Generator on/off, flexible Last on/off) und kontinuierliche Entscheidungen (Batterie kW, Netz kW). Lösung in Minuten auf einer Maschine mit Open-Source- oder kommerziellen MIP-Lösern. Stochastisches MPC (szenariobasiertes MPC): unter PV- (Wolken) und Last-Unsicherheit (15-Min-Schwankung) Sample-Average-Approximation — 10-50 Szenarien, deterministisches MILP pro Szenario, Erwartungskosten minimieren. Robustes MPC (Worst-Case-MPC): garantierter Betrieb im Worst-Case PV- und Lastszenario, für Inselbetriebssicherheit. Rolling Horizon (Receding Horizon): alle 5-15 Min wird das MPC mit aktualisierter PV/Last-Prognose und aktuellem SoC neu gelöst; nur der erste Schritt wird angewandt, der Horizont rollt vor. Multi-Microgrid: verteilt/dekomponiert — jedes Microgrid löst sein eigenes MILP, Koordination über gemeinsame Netzrestriktion (Gesamt Bezug/Einspeisung). Hierarchische Steuerung: MPC auf tertiärer Ebene (Stunden-Minuten-Wirtschaftlichkeit), sekundär für Spannung/Frequenz (Sekunden), primär Droop-Regelung (Millisekunden) — diese unteren zwei Ebenen sind Regelungstechnik, nicht OR, und setzen auf der MPC-Ausgabe auf.

3. Feldintegration. Drei-Schichten-Ausgabe: 15-Min-Dispatch-Fahrplan (kW-Sollwert pro Komponente — Gantt-Panel in der Betriebszentrale), BMS-Kommando (Lade-/Entladestromsollwert), Generator-Start/Stop-Signal. Das Energiemanagementsystem (EMS) versorgt das MPC-Modul: PV-Wechselrichter-Telemetrie, BMS-SoC, Generator-Motorzustand, Smart-Meter-Gesamtverbrauch, Wettervorhersage-API (für PV-Prognose), Hauptnetz-Preissignal. Quartalsausschuss: tatsächliche vs geplante Betriebskosten, PV-Eigenverbrauch, Batterie-Zyklenzahl, Generator-Betriebsstunden, Inselbetriebstest (2-4 geplante Trennsimulationen pro Jahr).

Alternativen

Manuell + heuristische Regel

Kostenlos

Keine Lizenz

Für wen geeignet: Kleinanlage (<100 kW PV, <50 kWh Batterie, kein Backup-Generator)

  • + Keine Softwarekosten
  • + Erfahrung des Anlagenmechanikers im Vordergrund
  • + Einfache Regel (Nacht laden, Spitze entladen) bringt 5-10% Ersparnis
  • − Mehrere Quellen (PV + Batterie + Generator) überfordern den Planer mental
  • − Nicht adaptiv für unsichere PV-Erzeugung (Wolken)
  • − Keine Inselbetriebsstrategie
  • − Keine numerische Amortisationsanalyse

Lokales Energiemanagementsystem (EMS) — einfach regelbasiert

Enterprise

150K-600K TRY Lizenz + 60K-200K TRY/Jahr Wartung (TR-Markt)

Für wen geeignet: Mittlere Anlage (200-800 kW PV, 100-300 kWh Batterie, Backup-Generator; Tourismusbetrieb oder KMU)

  • + Lokalsprachige UI, lokaler Support
  • + Smart-Meter + BMS + Wechselrichter-Integration Standard
  • + Time-of-Use-Optimierung auf Regelebene
  • + Kurze SCADA-Integration
  • − MPC-Modul fehlt meist — nur regelbasiert (if-then)
  • − Keine stochastische PV/Last-Unsicherheit
  • − Beschränkte Inselbetriebs-Übergänge
  • − Zyklen-Alterungskosten nicht in der Zielfunktion

Internationales Microgrid-EMS + MPC-Modul

Enterprise

400K-1,5M EUR Lizenz + 80K-300K EUR/Jahr Wartung

Für wen geeignet: Großanlage (1+ MW PV, 500+ kWh Batterie, mehrere Generatoren; Hochschulcampus, Inselsiedlung, Industriegebiet)

  • + Reifes Modul für vorhersagende Regelung auf Basis exakter Mathematik-Programmierung
  • + Unsicherheitsbewusste (szenario-basierte oder Worst-Case) Vorhersage-Regelungs-Varianten verfügbar
  • + Automatischer Übergang Inselbetrieb ↔ Netzbetrieb
  • + Hierarchische Steuerung (primär/sekundär/tertiär) integriert
  • + V2G-Modul in fortgeschrittenen Märkten
  • − Hohe Lizenz + 9-18 Monate Implementierung
  • − Anpassung an TR-Regulierung (Unlizenzierte-Erzeugungs-Richtlinie 2024, Inselbetriebsgenehmigung) verlängert Projekt
  • − Breites Schulungsprogramm für Betreiber

Open-Source-Löser + eigenes MPC-Modul

Open Source

Lizenz frei; Eigenentwicklung 20-36 Wochen oder 600K-1,8M TRY Beratung

Für wen geeignet: Betreiber mit Tech-Team, Integration in bestehendes EMS / SCADA

  • + Keine Lizenzgebühren
  • + Vorhersage-Regelungs-Verfahren für Open-Source-Löser klar definiert
  • + Stochastische und robuste MPC-Varianten in offener Literatur
  • + Hierarchische Steuerung in akademischen Quellen detailliert
  • − Inhouse OR-Spezialist + Elektrotechniker + Regelungstechniker erforderlich
  • − Akademik-zu-Feld-Transfer 9-18 Monate
  • − Wartungslast beim Betreiber
  • − Stochastisches MPC erfordert separates PV/Last-Prognosemodell

Empfehlung

Klein
Kleinanlage (<100 kW PV, <50 kWh Batterie, kein Backup-Generator): manuell + drei Grundregeln (a) Nachttarif laden, (b) Spitzentarif entladen + PV-Überschuss in Batterie, (c) ohne Exportvertrag PV-Überschuss in Batterie halten — 5-10% Verbesserung. MPC amortisiert sich nicht.
Mittel
Mittlere Anlage (200-800 kW PV, 100-300 kWh Batterie, Backup-Generator): lokales EMS + eigenes MPC-Modul, oder Optimierungsmodul eines kompakten internationalen Pakets. 6-12 Monate Pilot. Erwartet: Betriebskosten -15-25%, PV-Eigenverbrauch +20-30%, Generator-Stunden -30-50%. Amortisation 18-36 Monate.
Groß
Großanlage (1+ MW PV, 500+ kWh Batterie, mehrere Generatoren; Hochschulcampus, Inselsiedlung, Industriegebiet): volles internationales EMS + MPC + Inselbetrieb + V2G-Integration. 1-3M EUR/Jahr Gesamtinvestition. Amortisation 24-48 Monate. Betriebskosten -20-35%, Erneuerbaren-Nutzung +25-40%, Inselbetriebs-Zuverlässigkeit etwa 99% typisch.

Im Gespräch fragen

  • Nutzt das Energiemanagement-Modul Model Predictive Control (MPC) oder nur regelbasierte (if-then) Logik? Falls MPC, welche Horizontlänge und welcher Zeitschritt (5-15-30 Min)?
  • Ist ein stochastisches oder robustes MPC verfügbar? Wie wird PV- und Lastprognoseunsicherheit modelliert (Sample-Average, Szenariobaum, Worst-Case)?
  • Sind Batterie-Zyklen-Alterungskosten Teil der Zielfunktion? Welcher Modellierungsansatz (Kalender + Zyklen-Alterung, Tiefenentladung-basiert)?
  • Ist der Übergang Inselbetrieb ↔ Netzbetrieb automatisch? Wie wird der Schutz kritischer Lasten bei unerwarteter Netztrennung priorisiert?
  • Sind Dieselgenerator-Minimum-Up/Down-Zeit, Kalt-/Warmstartkosten und Kraftstoffkurve konfigurierbar oder hartkodiert?
  • Sind flexible Lasten (Demand Response) in die Zielfunktion integriert? Können pro Last Flexibilitätsfenster definiert werden (z. B. Klima 15 Min, Wäscherei 2 h)?
  • Ist die hierarchische Steuerungsarchitektur (primär Droop, sekundär V/f, tertiär wirtschaftlich) integriert oder nur die tertiäre Optimierung?
  • Bei Vertragsende: in welchem Standardformat können wir 15-Min-Dispatch-Historie, Batterie-SoC-Profil, Generator-Betriebsprotokolle und PV-Erzeugungsdaten exportieren?

Technische Details

Anmerkung der Redaktion

Im Sprachgebrauch heißt das Problem “Microgrid-Management”, “PV + Batterie-Management” oder “Inselbetriebssystem”. In der Literatur lautet der Name Microgrid Energy Management; der moderne dominante Ansatz ist MPC für Microgrids — die kanonische MILP-MPC-Formulierung ist Branchenreferenz. Das Microgrid-Konzept ist IEEE-formell definiert: ein kleinskaliges, multi-quellenbasiertes Subsystem (erneuerbar + Speicher + bedarfsgerecht zuschaltbare Erzeugung + flexible Last), das netzgekoppelt oder im Inselbetrieb arbeiten kann und seine eigene Regelung übernimmt.

Dieses Problem von anderen Energie-OR-Problemen unterscheiden: Unit Commitment + Economic Dispatch (#029) spielt auf nationaler/regionaler Netzgröße — stündliche On/Off-Entscheidungen für zig oder hunderte Kraftwerke. Demand Response + Spitzenglättung (#020) ist Verbrauchsglättung im Hauptnetz — Koordination flexibler Lasten. Wasserkraftspeicher per SDDP (#037) ist Single-Asset-Mehrmonats-Stochastik. EV-Ladeplanung (#052) ist flottenfokussiert. Das Microgrid (#053) ist kein Miniatur-Nationalnetz; es hat mehrere Erneuerbare + Speicher + flexible Lasten + manchmal Inselbetrieb. Entscheidungen werden alle 5-15 Min erneuert (MPC, Rolling Horizon). UC ist minuten-stündliches On/Off; Microgrid-MPC ist kontinuierliches Receding Horizon.

Am häufigsten ausgelassener Punkt in der Branche: Unsicherheitshandhabung — deterministisches MPC vs stochastisches MPC vs robustes MPC. In der Praxis arbeiten die meisten Microgrid-EMS deterministisch (feste PV- und Lastprognose); in Wirklichkeit schwanken PV (Wolken, 30-70% tagsüber) und Last (±15-25% in 15 Min) minutenweise. Stochastisches MPC (Sample-Average-Approximation über 10-50 PV/Last-Szenarien) oder robustes MPC (Worst-Case-Garantie) ist Literaturstandard; deterministische Feldlösungen erscheinen künstlich überoptimistisch — beim ersten großen Wolkenereignis kollabiert der Plan, der Backup-Generator wird panikartig gestartet. Zweiter Punkt: hierarchische Steuerung. MPC sitzt auf tertiärer (wirtschaftlicher, Minuten-) Ebene; primäre Droop-Regelung (Millisekunden) und sekundäre Spannungs/Frequenz-Regelung (Sekunden), die Stabilität sichern, sind separate Schichten — ohne sie ist MPC im Feld nicht anwendbar. Dritter Punkt: Batterie-Zyklen-Alterungskosten. Jeder Lade-Entlade-Zyklus reduziert die Batteriekapazität um 0,01-0,05%; reine Kostenminimierung nutzt die Batterie aggressiv und halbiert die nutzbare Kapazität in 3-4 statt 5-7 Jahren. Fehlt diese Kosten in der Zielfunktion, wird der “optimale” Fahrplan langfristig zum Verlust.

Schritt für Schritt — für KMU

Stufe 1 — Erst messen, dann planen. Mindestens 6-12 Monate Erzeugungs- und Verbrauchsdaten in 15-Min-Auflösung: PV-Erzeugung pro Feld, Batterie-SoC-Kurve, Generator-Stunden und Kraftstoff, Netz-Bezug/Einspeisung kWh, Time-of-Use-Tarifkurve, Lastprofil (möglichst kritisch vs flexibel getrennt). Wetterdaten (Sonnenscheindauer, Wolkendichte) von lokaler Meteorologie oder Wetter-API. Inventar: PV-Wechselrichter-Kapazität und Wirkungsgrad, BMS-Kapazität und Lade-/Entladegrenzen, Generator-Leistungs- und Kraftstoffkurve, Smart-Meter-Momentanleistung.

Stufe 2 — Wissenskapital extrahieren. PV-Prognosemodell (15 Min - 24 h Horizont, Wetterdaten + historische Kalibrierung). Lastprognosemodell (Stunde + Tagtyp + Saison). Batterie-Zyklen-Alterungskurve (Herstellerdaten + Tiefenentladungs-Tabelle). Generator-Kraftstoffkurve (kW-Laststufe vs L/h). Time-of-Use-Fenster und Saisonalität. Flexible-Last-Inventar: welche Last wie lange verschiebbar (Minuten, Stunden), welche kritisch (nie unterbrochen), welche kontrolliert abschaltbar.

Stufe 3 — Pilot. 8-12 Wochen. Für ein Subset (z. B. PV + Batterie ohne Generator) deterministisches MPC parallel zur bestehenden Regel laufen lassen. Entscheidung bleibt in der Betriebszentrale; MPC liefert Empfehlung. Erfolgskriterium im Voraus: Monatsrechnung -10% min, PV-Eigenverbrauch +15% min, Batterie-Zyklenzählung integriert.

Stufe 4 — Roll-out. 9-18 Monate für alle Komponenten (inkl. Generator) + Inselbetriebstests + stochastisches MPC + Flexible-Last-Integration. Alle 5-15 Min Rolling-Horizon-MPC-Neulösung. Quartalskomitee: Dispatch-Performance, Batterie-Zyklentrend, Generator-Stunden, Inselbetriebstest-Ergebnisse (2-4 geplante Trennungen/Jahr), Investitionsentscheidungen (PV-Erweiterung, Batterieersatz, V2G), regulatorische Updates.

Risiken — was schiefgehen kann

  1. PV-Prognosefehler an Spitzen. Deterministisches MPC nimmt wolkenlose Tage an; tatsächlich kann PV-Erzeugung in 5-15 Min um 50-80% einbrechen. Stochastisches MPC oder mindestens szenariobasierte Sensitivitätsanalyse ist Pflicht; sonst wird der Generator panisch gestartet und verbrennt Kraftstoff.
  2. Verfügbarkeit von Dieselkraftstoff. Im Inselbetrieb müssen Tankkapazität und Stundenzahl als harte MPC-Restriktion modelliert werden; ein leerer Tank kollabiert das System. Tankfüllstand-Telemetrie ins MPC einspeisen.
  3. Regulatorische Inselbetriebsgenehmigung. In TR ist die Unlizenzierte-Erzeugungs-Richtlinie (2024-Update) für Einspeisung und Inselbetrieb mit besonderen Regeln verknüpft; nicht genehmigter Inselbetrieb ist sowohl rechtswidrig als auch technisch riskant (Frequenz-/Spannungs-Mismatch zerstört Anlagen bei Wiederzuschaltung). Jährliches regulatorisches Tracking.
  4. Single-Vendor-EMS-Lock-in. Ohne Vertragsklausel für jährlichen Standardformat-Export von Dispatch-Historie, SoC-Profil, MPC-Parameter-Kalibrierung und PV/Last-Prognosemodell bedeutet ein Wechsel den Verlust des operativen Gedächtnisses — Batterie-Zyklen-Alterung ist über Jahre angesammelte Daten.
  5. Batterie-Zyklen-Alterungskosten nicht berücksichtigt. Wenn die Zielfunktion nur Tarifoptimierung umfasst, wird die Batterie 3-5 Mal täglich zyklisiert; statt 10-15 Jahren Lebensdauer halbiert sich die Kapazität in 5-7 Jahren, und OPEX erreicht die Hälfte der Investition."

Lösungsmethode — technischer Blick

AnsatzTypische GrößeLösezeitGarantiertes Optimum?
Regelbasiert (if-then, Nacht-Laden/Tag-Entladen)Kleinanlage, <100 kW PVsofortNein, 50-70% Optimum
Deterministisches MPC — MILPMittelanlage, 200-1500 kW PV, 24-48h HorizontSek.-Min.Ja (Bound, deterministisch)
Stochastisches MPC (Sample-Average)PV/Last-Unsicherheit kritischMin.-StundenJa (Erwartungswert)
Robustes MPC (Worst-Case)Inselbetriebssicherheit kritischMin.-StundenJa, Worst-Case-Optimum
Verteiltes/dekomponiertes MPC (ADMM)Multi-Microgrid (Campus-Netz)Min.-StundenGute Konvergenz
Receding Horizon (alle 5-15 Min neu lösen)Standard in allen Ansätzenpro MinuteAdaptive Qualität
Hierarchisch (primär Droop + sekundär V/f + tertiär MPC)Volles Feld-MicrogridkontinuierlichFeldfähig

Zielfunktionswahl:

  • Ziel 1 — minimale Gesamtbetriebskosten: Kraftstoff + Netzbezug - Einspeisung; einfachst, keine Alterung.
  • Ziel 2 — Betriebskosten + Batterie-Zyklen-Alterung minimal: echte TCO; Batterie-OPEX inklusive.
  • Ziel 3 — maximale Erneuerbaren-Nutzung + minimale Kosten: ökologisch getrieben, mit Treibhausgasbilanz.
  • Ziel 4 — maximale Inselbetriebs-Zuverlässigkeit (Worst-Case): robustes MPC; Insel- und kritische Anlagen.
  • Ziel 5 — Netto V2G-Arbitrageerlös + Batterie-Alterungskosten: bei EV-Anschluss.

Multikriteriell: gewichtete Summe (Kosten + Emissionen + Zuverlässigkeit) oder hierarchisch (zuerst kritische Last-Kontinuität, dann Kosten, dann Umwelt).

Akademische Quellen

Im Frontmatter unter sources.

Quellen

  • Parisio, A., Rikos, E. und Glielmo, L. (2014). A model predictive control approach to microgrid operation optimization. IEEE Transactions on Control Systems Technology, 22(5), 1813-1827. Kanonische MILP-Formulierung für Microgrid-MPC.
  • Olivares, D. E., Mehrizi-Sani, A., Etemadi, A. H., Cañizares, C. A. und Mitautoren (2014). Trends in microgrid control. IEEE Transactions on Smart Grid, 5(4), 1905-1919. Moderner Überblick zur Microgrid-Regelung.
  • Hatziargyriou, N., Asano, H., Iravani, R. und Marnay, C. (2007). Microgrids. IEEE Power and Energy Magazine, 5(4), 78-94. Grundlegende Definition und Taxonomie des Microgrid-Konzepts.
  • Lasseter, R. H. (2002). MicroGrids. IEEE PES Winter Meeting. Erste Arbeit zum Microgrid-Konzept.
  • Mariam, L., Basu, M. und Conlon, M. F. (2016). Microgrid: architecture, policy and future trends. Renewable and Sustainable Energy Reviews, 64, 477-489. Architektur, Politik, Trends.
  • YÖK Tez Merkezi — Schlagwörter: ‘mikro şebeke’, ‘model öngörülü kontrol’ oder ‘ada modu enerji’ — 20+ Dissertationen. tez.yok.gov.tr

Glossar

Microgrid Management
OR- und Regelungsproblem zur Einsatzplanung eines kleinen, mehrquelligen Energiesystems über einen rollierenden Zeithorizont unter Leistungsbilanz-, Speicher- und Generatorbedingungen.
Model Predictive Control
Optimierungsrahmen mit gleitendem Horizont, in dem zu jedem Regelschritt ein Endlich-Horizont-Problem mit aktuellem Zustand und Prognosen gelöst, nur die erste Stellgröße angewendet und der Horizont fortgeschoben wird.
MIP
Optimierungsmodell, bei dem ein Teil der Entscheidungsvariablen ganzzahlig sein muss (z. B. Anzahl LKW, Anzahl Schichten).
Demand Response
Energiemanagement-Ansatz, bei dem die Steuerung von Lasten beim Verbraucher anhand Tarif, Systemzustand oder Anreizen optimiert wird.
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