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Logistik · Travelling-Salesman-Problem (TSP)

Ein Fahrzeug, viele Stopps — in welcher Reihenfolge fahre ich alle an, damit die Gesamtstrecke minimal ist?

Logistik 4 Min Lesezeit
Gilt auch für: Fertigung Arbeitskräfte
#Travelling Salesman Problem #Tour-Optimierung #Einzelfahrzeug-Routing #kombinatorische Optimierung #Branch-and-Cut #Lin-Kernighan #Hamilton-Kreis

Ein Fahrzeug, ohne Kapazität, Rückkehr zum Start: finde die minimalkostige geschlossene Tour, die jeden von N Knoten genau einmal besucht. Das Stammproblem der Routenoptimierung — alle VRP-Varianten leiten sich davon ab (akademisch: TSP).

Kurz gesagt

Sie betreiben einen Servicetechniker mit 8-15 Kundenbesuchen pro Tag (Klima, Aufzug, Weißware), einen Einzelfahrzeug-Lieferantenbesuch eines Vertrieblers oder eine PCB-Bohrmaschine, die 500-5.000 Bohrungen in Reihenfolge bringt. Alle stehen vor derselben Kernfrage: gegeben N Punkte, in welcher Reihenfolge fährt das einzige Fahrzeug oder der Kopf jeden Punkt an und kehrt zum Start zurück. Bei falscher Reihenfolge verbrennt das Servicefahrzeug 80-200 TRY/Tag extra an Kraftstoff und Fahrerstunden, die PCB-Linie braucht 15-30% länger pro Bauteil und der letzte Kunde verpasst sein Lieferfenster. Bei 50 Stopps liegt die handgemachte Reihenfolge 20-40% über dem wahren Minimum; mit wachsender Stoppzahl summiert sich die Lücke der Bauchgefühl-Reihenfolge.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Wir haben einen Einzelfahrzeug-Servicebetrieb — ein Techniker besucht täglich 8-15 Kunden, die Reihenfolge legt der Techniker nach Gefühl fest.
  • In unserem mittelständischen Produktionsbetrieb fährt ein Außendienstler einmal pro Woche eine Regionaltour (15-40 Lieferanten- oder Kundenbesuche); ein Fahrzeug, keine Kapazitätsbindung, die Reihenfolge ist nicht optimal.
  • Wir betreiben eine PCB-Bohrmaschine oder einen automatischen Bestücker — der Bohr- oder Bestückkopf wandert über 500-5.000 Punkte, die Reihenfolge liegt beim Maschinenprogrammierer.
  • Wir planen eine Kabelverlegung oder eine Rohrverlege-Sequenz — eine Crew, eine Tour, keine Kapazitätsbindung.
  • Ein automatischer Lagerroboter (Single-Pick-AS/RS) baut Regaltouren — der Roboter hat keine Kapazitätsbindung oder trägt ein einzelnes Objekt.
  • Innerstädtische Kühlketten-Lieferantentour (ein Fahrzeug, kleine Ladegröße); die Reihenfolge ergibt sich aus Routine des Fahrers.
  • Knotenzahl liegt bei 50-500 — eine Größe, die ein exakter MIP-Solver schafft; trotzdem hält die Intuition 'TSP ist NP-schwer, also Heuristik' uns bei der Heuristik fest.

Warum es wichtig ist

Die Tourreihenfolge dem Fahrer im Kopf zu überlassen kostet einen KMU auf vier Kanälen: (1) überflüssige Kilometer — eine handgebaute Sequenz ist 15-40% länger als die beste Tour, der auf realen Feldinstanzen gemessene Abstand liegt typisch bei 20-30%; (2) verschwendeter Kraftstoff und Fahrerzeit — die zusätzliche Strecke ergibt 80-200 TRY pro Tag und Tour, 25-60K TRY/Fahrzeug/Jahr; (3) längerer Maschinenkopf-Weg — bei einer PCB-Bohr- oder Bestückmaschine streckt eine schlechte Reihenfolge die Zykluszeit um 15-30%, der Linien-Durchsatz fällt direkt; (4) Kundenreihenfolge bricht — das Lieferfenster des letzten Kunden wird verfehlt, eine Nachfahrt oder Umsatzverlust folgt. Die verbreitete Annahme ‘Touroptimierung ist unlösbar, der Bauch entscheidet’ ist falsch: 100-500-Stopp-Instanzen erreichen die beste Tour in Minuten mit einem modernen mathematischen Solver, und 1.000-Stopp-Touren bleiben mit industriellem Standardverfahren in Minuten innerhalb von 0,1-1% an der besten Tour. Für einen mittelgroßen Feldservice- oder Distributionsbetrieb mit 5-50 Fahrzeugen sind das jährlich 150K-1,5M TRY an Kraftstoff- und Fahrerzeit-Einsparung.

Wie wird es gelöst?

Technische Tiefe

In einem Satz: Erstelle zuerst die paarweise Entfernungsmatrix (reale Straßenentfernung, symmetrisch oder asymmetrisch), dann je nach Größe — unter 1.000 Knoten exakter MIP-Solver, darüber k-opt-Lokalsuche (Lin-Kernighan-Familie) — und du hast die Tour in Minuten.

In der Operations-Research-Literatur (Disziplin, die Mathematik und Computer für Geschäftsentscheidungen einsetzt) trägt das Problem den Namen Travelling Salesman Problem (TSP — Rundreiseproblem) und wird seit 70+ Jahren als Stammproblem der modernen kombinatorischen Optimierung untersucht. Kanonische Aufgabe: Gegeben N Knoten (Städte, Kunden, Bohrpunkte, Kabelknoten) und eine paarweise Entfernungsmatrix (oder Zeit oder Kosten) — finde die Hamilton-Tour (geschlossene Tour, die jeden Knoten einmal besucht) mit minimalen Gesamtkosten, die jeden Knoten genau einmal besucht und zum Start zurückkehrt. Ein Fahrzeug, keine Kapazität, keine Zeitfenster, Depot = Startknoten. Lösung in drei Stufen:

1. Modellierung. Eingaben: Knotenliste (jeweils Position oder Identifikations-Tag), paarweise Entfernungsmatrix (Euklidisch, reale Straßenentfernung oder Zeit — straßenbasiert in der Stadt, Manhattan an einem Maschinenkopf), Symmetrieeigenschaft (wenn Entfernung A→B = B→A, symmetrisches TSP; sonst — etwa Einbahnstraße — asymmetrisches TSP / ATSP), metrische Eigenschaft (gilt die Dreiecksungleichung, metrisches TSP und eine 3/2-Approximations-Heuristik mit Garantie ist anwendbar). Zielfunktion: minimale Gesamttour-Kosten. Bedingungen: jeder Knoten genau einmal besucht + eine einzige geschlossene Tour (Subtouren verboten).

2. Solver-Entscheidung. Drei akademische Hauptansätze: (i) Exaktes Branch-and-Cut-MIP (Branch-and-Cut — Baumsuche mit Schnittebenen-Verschärfung) — die Cutting-Plane-Methode wurde in den 1950ern eingeführt; reife Solver haben TSP-Instanzen bis 85K+ Knoten exakt gelöst. Für Feldgrößen (50-500 Knoten) reichen kommerzielle oder reife Open-Source-MIP-Solver (Mixed-Integer Linear Programming — Optimierung mit teils 0/1-, teils stetigen Variablen), Lösezeit Minuten. (ii) Dynamische Programmierung (Held-Karp) — die O(n²·2^n)-DP-Formulierung aus den 1960ern; praktisch für n < 25, Lehrreferenz. (iii) Heuristik — Lin-Kernighan-Familie — k-opt-Lokalsuche (k Kanten aus der Tour entfernen und neu verdrahten); die moderne LKH-Implementierung (Lin-Kernighan-Helsgaun) bleibt bis Millionen-Knoten-Größe innerhalb 0,1-1% am Optimum und ist die Referenzheuristik für Feldinstanzen ab 1.000 Knoten. Baustein-Heuristiken: Nearest-Neighbor, Christofides-3/2 (metrisches TSP), Savings-Algorithmus, 2-opt, 3-opt-Lokalsuche.

3. Feldintegration. Output je nach Einsatz dreischichtig: (a) Feldservice-Betrieb — geordnete Stoppliste + Navigation in der Fahrer-Mobile-App, am Tagesanfang zugewiesen, untertags meist nicht neu optimiert; (b) Maschinenprogrammierung — Bohr- oder Bestückreihenfolge in das NC-Programm einer PCB-Bohr- oder Bestückmaschine eingebettet, einmal pro Teile-Charge berechnet; (c) Kabel- oder Rohrroute — der Routenplan eines Bauingenieurs, einmalige Entscheidung vor dem Dry Run. Das TSP-Modul ist meist in eine Routing-Software oder in ein Linien-Programmierpaket eingebettet — selten als eigenständiges Produkt verkauft. Quartalsweise Betriebsrunde: reale Tourstrecke vs Plan, Fahrerzeitabweichung, Zusatztouren-Zahl.

Alternativen

Intuitive Reihenfolge + Spreadsheet

Kostenlos

Keine Lizenz

Für wen geeignet: Sehr klein (unter 10 Stopps/Tag), was der Planer im Kopf behalten kann

  • + Keine Softwarekosten
  • + Feldwissen des Planers zählt
  • + Telefonreaktion auf ETA-Änderungen
  • − Ab 20 Stopps weicht der menschliche Verstand 20-40% vom Optimum ab
  • − Inkonsistent — Reihenfolge unterscheidet sich täglich
  • − Keine Messung — Streckenwerte werden nicht protokolliert
  • − Bricht schnell zusammen, sobald Mehrfach-Fahrzeug oder Kapazität dazukommt (wird zum VRP)

Allgemeine Routing- / Feldservice-Software (eingebettetes TSP-Modul)

Enterprise

100-400 TRY/Fahrzeug/Monat Abo oder 200K-800K TRY Einmal-Lizenz

Für wen geeignet: Feldservice-Betrieb (10-50 Fahrzeuge), Einzelfahrzeug-Tour, ohne Kapazität

  • + Tourreihenfolge-Motor ist vorhanden — Nearest-Neighbor + lokale Verbesserung ist typisch
  • + Fahrer-Mobile-App, Navigation, Kundeninfo integriert
  • + Lokale Karten- und Verkehrsdaten
  • − Algorithmustransparenz gering — 'welches Verfahren wird verwendet' wird selten klar beantwortet
  • − Ein Solver mit Optimum-Garantie fehlt meist, nur schnelle Näherung
  • − Ab 500 Stopps wächst der Abstand zur besten Tour

Open-Source-Solver + eigenes TSP-Modul

Open Source

Lizenz kostenlos; Eigenentwicklung 8-16 Wochen oder 200K-800K TRY Beratung

Für wen geeignet: Betrieb mit Tech-Team, Maschinenprogrammierung (PCB, CNC), spezialisierte Feldroute

  • + Solver mit Optimum-Garantie sind Open-Source verfügbar
  • + Industrieübliche Heuristik-Werkzeuge, die bis Millionen-Stopp-Größe nahezu optimal bleiben, sind Open-Source
  • + Varianten wie Einbahnstraßen-Touren und profitorientierte Touren lassen sich anpassen
  • − Interner Optimierungs-Spezialist + Integrationsteam nötig
  • − Vom ersten Prototyp zum Feldsystem 3-6 Monate
  • − Wartung bleibt intern

Branchenspezifisches Maschinen-Programmierpaket (PCB / CNC)

Enterprise

500K-3M TRY eingebettet ins Maschinen-Softwarepaket

Für wen geeignet: Automatische PCB-Bohrmaschine, Bestücker, Laserschnitt — Maschinenhersteller-Paket

  • + Bohr-/Bestückkopf-Reihenfolge vom Maschinenhersteller kalibriert
  • + Maschinenprogramm-Ausgabe lädt direkt in die Maschine
  • + Bedienschulung kommt vom Maschinenhersteller
  • − An den Maschinenhersteller gebunden — bei neuer Maschine neuer Kauf
  • − Algorithmus undurchsichtig, Abstand zur besten Tour nicht messbar
  • − Anpassung (z. B. Werkzeugwechsel-Strafe) schwierig

Empfehlung

Klein
Unter 10 Stopps/Tag, ein Fahrzeug: Spreadsheet + Handsortierung reicht. Drei Grundregeln (geografisch nahe Knoten konsekutiv gruppieren, Rückweg einplanen, Reihenfolge am Tagesanfang aufschreiben) bringen 5-10% Verbesserung. Eine Software-Investition rechnet sich gegen 30-50K TRY/Jahr Einsparung nicht.
Mittel
30-200 Stopps/Tag, Feldservice-Betrieb (10-50 Fahrzeuge): Tourmodul einer allgemeinen Routing-Software oder Open-Source-Solver + lokale Verbesserung. 6-12 Monate Pilot. Erwartete Gewinne: Gesamtstrecke -10-20%, Fahrerzeit -8-15%. Amortisation 18-30 Monate.
Groß
PCB-Bohrmaschine (500-5.000 Punkte/Teil), großer Feldservice-Betrieb (50+ Fahrzeuge), Kabel-/Rohrroute (1.000+ Stopps): Solver mit Optimum-Garantie oder industrieübliche Heuristik. Lösung im Maschinenhersteller-Paket eingebettet oder als Open-Source-Sonderbau. Jährlich 800K-3M TRY Gesamtinvestition. Erwartete Gewinne: Maschinen-Kopf-Zeit -15-30%, Linien-Durchsatz +10-20%. Amortisation 12-24 Monate.

Im Gespräch fragen

  • Welcher Ansatz steckt im Tour-Modul — Solver mit Optimum-Garantie, Nearest-Neighbor + lokale Verbesserung, industrieübliche Heuristik oder nur Nearest-Neighbor?
  • Unterstützt die Entfernungsmatrix Einbahnstraßen und richtungsabhängige Fahrzeit, oder werden A→B und B→A stets als gleich angenommen?
  • Wie wird die Entfernungsmatrix erzeugt — Luftlinie, reale Straße oder verkehrsabhängige Fahrzeitmatrix? Aktualisierungstakt?
  • Wie lange dauert die Lösung für typische Instanzgrößen — 100, 500, 1.000 Stopps?
  • Wird der prozentuale Abstand zur best möglichen Tour vom Modul gemeldet?
  • Wenn das Problem von einem Fahrzeug zu mehrfach-fahrzeugiger kapazitierter Routenplanung wächst (Kapazität, mehrere Touren, Depot-Rückkehr), kann die gleiche Infrastruktur weiter genutzt werden, oder ist es ein separates Modul?
  • Falls der Vertrag endet, in welchem Format können Tourdaten (Stopp-Positionen, erzeugte Touren, Entfernungsmatrizen) exportiert werden?

Technische Details

Redakteursnotiz

Dieses Problem heißt im Betrieb meist “Tour-Planung”, “Besuchsreihenfolge” oder “Routensequenz”. Sein akademischer Name ist eindeutig: Travelling Salesman Problem (TSP). TSP ist das Stammproblem der Operations Research — VRP (#002), PDPTW (#046), Berth Allocation (#026) und Dutzende anderer Routing- / Scheduling-Probleme sind strukturelle Erweiterungen des TSP. Die strukturelle Trennung ist scharf: TSP ist Einzelfahrzeug, geschlossene Tour, keine Kapazität, Rückkehr zum Start, keine Zeitfenster. VRP fügt Mehrfach-Fahrzeug + Depot + Kapazität hinzu; VRPTW Zeitfenster; PDPTW Quelle-Ziel-Paarung und Reihenfolgebedingung. Ein “Routing-Modul” zu kaufen, ohne zu prüfen, welche dieser Strukturen es tatsächlich löst, heißt Monate später festzustellen, dass die Infrastruktur bei Mehrfach-Fahrzeug-Bedarf nicht ausreicht.

Im Sektor am häufigsten übersehen: die praktische Anwendbarkeitsschwelle moderner exakter TSP-Solver. Die Praxisintuition lautet oft “TSP ist NP-schwer (Klasse von Problemen, deren Lösezeit mit der Größe explodiert), exakt nicht möglich, Heuristik notwendig”. Die Realität: reife Branch-and-Cut-Solver haben 85K+ Knoten-Instanzen exakt gelöst; eine Feldinstanz mit 100-500 Knoten erreicht in Minuten das Optimum auf einem modernen MIP-Solver. Heuristiken (Nearest-Neighbor + 2-opt) sind in den meisten Produkten Default — sie weichen auf realen Felddaten 15-30% vom Optimum ab. Praktische Regel: unter 1.000 Knoten ist operatives TSP exakt-MIP-lösbar; im Bereich 1.000-100K Knoten bleibt die LKH-Heuristik innerhalb 0,1-1% am Optimum. Die Intuition “Heuristik notwendig” stimmt nicht; ohne Skalenwissen kann man nicht entscheiden.

Zweiter übersehener Punkt: symmetrisch vs asymmetrisch. Innerstädtische Routen mit Einbahnstraßen, Auf- und Abfahrten oder richtungsabhängiger Fahrzeit erzeugen eine asymmetrische Entfernungsmatrix — A→B unterscheidet sich von B→A. Die meisten Produkt-TSP-Module setzen Symmetrie voraus; asymmetrische Daten ergeben ein falsches Optimum. Asymmetrisches TSP (ATSP) braucht eine andere Formulierung.

Schritt für Schritt — für KMU

Stufe 1 — Erst messen, dann planen. Mindestens 8-12 Wochen Tour-Daten: pro Tour — Anzahl Stopps, Stopp-Positionen, reale Tourstrecke (Fahrzeug-Tacho), Tourdauer, Fahreridentität, ob die Reihenfolge untertags geändert wurde, ob Kundenbesuchsfenster eingehalten wurden. Entfernungsmatrix: typische Straßenentfernung und Zeit zwischen allen besuchten Knotenpaaren (Nebenzeit vs Stoßzeit). Ohne diese Inventur lässt sich nicht sagen, welche Software welches Ergebnis liefert.

Stufe 2 — Wissenskapital heben. Lücke der aktuellen intuitiven Reihenfolge zum Optimum schätzen: auf einem 30-50 Knoten-Tagessatz mit einem Open-Source-MIP-Solver die exakte Tour rechnen, mit der realen Fahrertour vergleichen. Typische Lücke 15-30%. Diese Lücke ist die Hauptkennzahl des Business Case. Variiert die Knotenzahl täglich, eigene Mittelwerte für typische vs Spitzentage bilden.

Stufe 3 — Pilot. 6-10 Wochen. Für ein Fahrzeug oder eine Maschine das TSP-Modul parallel zur aktuellen intuitiven Reihenfolge laufen lassen. Die Entscheidung bleibt beim Fahrer / Operator; das System gibt Empfehlungen. Erfolgskriterien vor dem Pilot schriftlich: durchschnittliche Tourstrecke -10% mindestens, Tourdauer -8%, Fahrerzufriedenheit neutral oder positiv.

Stufe 4 — Roll-out. 4-9 Monate auf die ganze Flotte oder den ganzen Maschinenpark. Quartalsbetriebsrunde: reale Tourstrecke vs Plan, Fahrerzeit-Abweichung, Kunden-Fensterquote, Maschinen-Kopf-Zeit-Bericht.

Risiken — was schiefgehen kann

  1. Statische Fahrzeit-Annahme. Eine auf Einzelpunkt-Durchschnitten gebaute Entfernungsmatrix weicht zu Spitzenzeiten 50-100% vom realen Wert ab. Stundenbandweise Fahrzeitmatrizen (z. B. 30-Minuten-Bogenprofil) sind notwendig; im Pilot müssen Plan- vs Ist-Fahrzeiten verglichen werden.
  2. Servicezeit im Modell? Ein Servicetechniker verbringt 30-90 Minuten an jedem Stopp; ist diese Servicezeit nicht im Tourplan, ist die Reihenfolge mathematisch optimal, aber operativ nicht umsetzbar. Servicezeit pro Knoten als fester oder probabilistischer Wert modellieren.
  3. Knotenzahl wächst, Heuristik driftet vom Optimum ab. Bei 50 Knoten liegt Nearest-Neighbor + 2-opt 5-10% am Optimum; bei 500 Knoten 15-25%; bei 5.000 Knoten 30%+. Mit wachsender Skala ist der Übergang zu LKH oder exaktem MIP notwendig; Einfrieren der Heuristik kumuliert Verluste mit Wachstum.
  4. Lock-in beim Routing-Software-Anbieter. Ohne Vertragsklausel zum jährlichen Export der Tourdaten, Entfernungsmatrizen und Lösungshistorie in einem Standardformat geht beim Wechsel das Tour-Gedächtnis des Betriebs verloren. Kundenstandorte und Besuchsfenster sind der Kern dieses Gedächtnisses."

Technische Sicht auf die Lösungsmethode

AnsatzTypische GrößeLösezeitOptimum garantiert?
Intuitive Reihenfolge (Planer + Kopf)<20 KnotensofortNein, 60-80% Optimum
Nearest-Neighbor + 2-opt20-200 KnotenSekundenNein, 85-95% Optimum
Christofides 3/2 (metrisches TSP)50-500 KnotenSekunden3/2-Approximationsgarantie
Dynamische Programmierung (Held-Karp)<25 KnotenMinutenJa (exakt)
Branch-and-Cut-MIP (Princeton-Georgia Tech-Gruppe)50-100K KnotenMinuten-StundenJa (innerhalb Bound)
Lin-Kernighan / LKH1K-1M+ KnotenMinuten-StundenNein, 0,1-1% am Optimum
Metaheuristik (Tabu, genetisch, Ant Colony)flexibelflexibelNein, gute Praxisqualität

TSP-Varianten — nach Anwendung wählen:

  • Symmetrisches TSP: Entfernung A→B = B→A. Überlandstraßen, Luftlinie, PCB-Bohrung. Einfachste und meiststudierte Variante.
  • Asymmetrisches TSP (ATSP): Richtungsabhängige Entfernung. Einbahnstraßen, richtungsabhängige Fahrzeit. Etwas schwieriger zu modellieren, Branch-and-Cut weiterhin anwendbar.
  • Euklidisches TSP: Knoten in der Ebene, Entfernung gerade Strecke. PCB-Bohrung, Inline-Fertigung.
  • Metrisches TSP: Dreiecksungleichung gilt (A→C ≤ A→B + B→C). Christofides-3/2-Garantie gilt.
  • TSP with profits / OP: Knoten tragen einen Wert (Profit); nicht jeder Knoten muss besucht werden. Die “Prioritätskunde”-Variante für Feldservice.

Zielfunktion — Wahl:

  • Ziel 1 — Minimale Gesamtstrecke / Kraftstoff: Fokus Kraftstoff + Fahrerzeit.
  • Ziel 2 — Minimale Gesamtzeit: Fokus Fahrerzeit / Maschinenzyklus.
  • Ziel 3 — Minimale maximale Stoppzeit (Min-Max-TSP): Faire Verteilung oder Arbeitssicherheit.

Akademische Quellen

Im sources-Block dieser Seite gelistet.

Quellen

  • Dantzig, G., Fulkerson, R. und Johnson, S. (1954). Solution of a large-scale traveling-salesman problem. Operations Research, 2(4), 393-410. Begründende Cutting-Plane-Arbeit.
  • Lin, S. und Kernighan, B. W. (1973). An effective heuristic algorithm for the traveling-salesman problem. Operations Research, 21(2), 498-516. Grundlage der modernen Heuristikfamilie.
  • Applegate, D., Bixby, R., Chvátal, V. und Cook, W. (2006). The Traveling Salesman Problem: A Computational Study. Princeton University Press. Kanonisches Buch zum exakten Branch-and-Cut-Solver der Forschungsgruppe Princeton-Georgia Tech.
  • Held, M. und Karp, R. M. (1962). A dynamic programming approach to sequencing problems. Journal of the Society for Industrial and Applied Mathematics, 10(1), 196-210. Die O(n²·2^n)-DP-Formulierung.
  • Helsgaun, K. (2000). An effective implementation of the Lin-Kernighan traveling salesman heuristic. European Journal of Operational Research, 126(1), 106-130. LKH — bleibt bis Millionen-Knoten innerhalb 0,1-1% am Optimum.
  • YÖK Tez Merkezi — Stichwort: ‘gezgin satıcı’ oder ‘TSP’ oder ‘Tour-Optimierung’ — 30+ Arbeiten der TR-Akademie. tez.yok.gov.tr

Glossar

Travelling Salesman Problem
Das Stammproblem der kombinatorischen Optimierung: in einem Graphen die Hamilton-Tour minimaler Kosten finden, die jeden Knoten genau einmal besucht und zum Start zurückkehrt.
Branch-and-Cut
Das exakte MIP-Lösungsrahmenwerk, das Branch-and-Bound mit Schnittebenenverfahren kombiniert — an jedem Knoten des Suchbaums verschärfen gültige Ungleichungen (Schnitte) die LP-Relaxation vor dem Verzweigen.
MIP
Optimierungsmodell, bei dem ein Teil der Entscheidungsvariablen ganzzahlig sein muss (z. B. Anzahl LKW, Anzahl Schichten).
VRP
Die Entscheidung, welche Fahrzeuge — ausgehend von einem oder mehreren Depots — welche Kunden in welcher Reihenfolge anfahren.
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