Skip to content
Opt Dir

Logistik · Kapazitätsbeschränkte Tourenplanung (CVRP)

Mehrere Fahrzeuge, viele Kunden — welches Fahrzeug in welcher Reihenfolge, Kapazität nicht überschritten, Gesamtstrecke minimal?

Logistik 4 Min Lesezeit
Gilt auch für: Einzelhandel Fertigung
#kapazitierte tourenplanung #cvrp #tourenplanung #kapazitaetsrestriktion #depotbelieferung #clarke-wright #savings-algorithmus

Die klassische Entscheidung eines Distributors, der täglich aus einem Depot 5-30 Kunden beliefert: Wie viele Fahrzeuge fahren los, welches Fahrzeug bedient welche Kunden, in welcher Reihenfolge — Kapazität nicht überschritten, Gesamtstrecke minimal. Akademisch: Capacitated Vehicle Routing Problem (CVRP); kanonischer Vorfahr der VRP-Familie, eröffnet von Dantzig und Ramser 1959.

Kurz gesagt

Ein Distributor oder Lieferant, der täglich von einem Depot aus 10-100 Kunden beliefert (Lebensmittel, Getränke, Wasser, B2B-Ersatzteile); feste Fahrzeugkapazität (2-5 t, 30 m³), bekannte Bestellmengen je Kunde, flexible Lieferzeit. Jeden Morgen drei Fragen: wie viele Fahrzeuge fahren heute los, welches Fahrzeug bedient welche Kunden, in welcher Reihenfolge — Kapazität nicht überschritten, Gesamtstrecke minimiert. Ein Disponent schafft 15-25 Kunden im Kopf; darüber sinkt die Routenqualität, Kunden derselben Region landen auf zwei Fahrzeugen, 1-2 Fahrzeuge pro Tag fahren unnötig zusätzlich. 10-25 % der Gesamtstrecke und 1-2 Fahrzeuge pro Tag hängen von der Planqualität ab; Kraftstoff + Fahrer machen 30-50 % der Betriebskosten aus.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Wir liefern täglich aus unserem Depot an 30-100 Kunden — Händlerbelieferung, B2B-Ersatzteile, Lebensmittel-Getränke-Distribution, Single-Depot-Betrieb.
  • Die Bestellung jedes Kunden ist in kg oder m³ bekannt; der Disponent gruppiert die Kunden nach Gefühl, um die 2-5 t Fahrzeugkapazität nicht zu überschreiten.
  • Die Kunden haben keine oder sehr weite Zeitfenster (Annahme 08:00-18:00) — sie nehmen zu jeder Stunde an.
  • Zwei benachbarte Kunden landen manchmal auf zwei verschiedenen Fahrzeugen — die Entscheidung 'welches Fahrzeug in welche Zone diese Woche' folgt dem alten Plan.
  • Wie viele Fahrzeuge morgens aus dem Depot fahren, entscheidet der Disponent — manche Tage reichen 3, manchmal fahren 5 raus, keine klare Regel.
  • Kraftstoff plus Fahrerlöhne machen 30-50 % der Betriebskosten aus, aber niemand weiß, wie viele Kilometer eine Routenänderung sparen würde.
  • Bei einem neuen Kunden wird 'auf welches Fahrzeug passt das' aus dem Bauch entschieden, nicht berechnet.

Warum es wichtig ist

Handgemachte Tourenplanung verliert Geld auf vier Kanälen: (1) Leerkilometer — zusätzlicher Weg durch schlechte Sequenz, bevor das Fahrzeug seine Kapazität erreicht; (2) ein bis zwei unnötig zusätzliche Fahrzeuge auf der Straße — unausgeglichene Kapazitätsaufteilung schickt täglich 1-2 Fahrzeuge zu viel hinaus, die fixen Fahrzeug- und Fahrerkosten häufen sich; (3) Fahrer-Überstunden — lange Touren stoßen an die gesetzliche Stundengrenze, der Überstundenetat wächst; (4) 10-25 % zusätzliche Kilometer — Kraftstoff + Wartung + Abschreibung steigen entsprechend. Distributoren, die zu systematischer Tourenplanung wechseln, senken die Gesamtstrecke um 10-25 % und die tägliche Fahrzeuganzahl um 1-2. Bei einem mittelständischen Distributor mit 5-20 Mio. EUR Jahresumsatz liegen Kraftstoff + Fahrer + Fahrzeugabschreibung typisch bei 1,5-5 Mio. EUR/Jahr; 10-15 % Verbesserung darauf sind 150K-750K EUR/Jahr. Bei lockeren Lieferzeitfenstern (Händler-Distribution, B2B-Ersatzteile, Wasser-Getränke-Belieferung) reicht klassische kapazitierte Routenplanung — ein bereits 1964 entwickeltes ‘Savings’-Verfahren kommt auf mittlerer Größe in Minuten innerhalb von 5-10 % vom besten Plan; bei engen Zeitfenstern wie Haustürbelieferung oder Kühlkette wird das Problem zur zeitfensterbasierten Routenplanung (#002).

Wie wird es gelöst?

Technische Tiefe

In einem Satz: Statt für jeden Kunden eine separate Depot-Fahrt zu machen, berechne wie viele km eingespart werden, wenn zwei Kunden auf demselben LKW fahren, fusioniere die einsparungsstärksten Paare solange die Kapazität reicht — läuft in Sekunden; Lokalsuche darübergelegt erhöht die Qualität.

CVRP ist das kanonische und älteste Mitglied der VRP-Familie in der Operations-Research-Literatur (Disziplin, die Mathematik und Computer für Geschäftsentscheidungen einsetzt). Die Arbeit aus dem Jahr 1959 (“The Truck Dispatching Problem”) eröffnete das Feld. Ein Depot, mehrere Fahrzeuge, Kapazitätsrestriktion, Kundennachfrage; keine Zeitfenster. Lösung in drei Stufen:

1. Modellierung. Eingangsdaten: Depotstandort (eine Koordinate), Kundenstandorte und Bedarfsmengen (kg, m³, Pakete — gleich welche Einheit, Summe darf Kapazität nicht überschreiten), Fahrzeugflotte (homogen — alle gleiche Kapazität; heterogen — unterschiedliche Kapazitäten), Distanzmatrix Depot–Kunde und Kunde–Kunde (symmetrisch — A→B = B→A; asymmetrisch — Einbahnstraßen verändern die Werte). Nebenbedingungen: jeder Kunde wird genau einmal besucht, jede Tour beginnt und endet am Depot, Gesamtnachfrage einer Tour übersteigt nicht die Fahrzeugkapazität. Optional: maximale Tourlänge (Fahrerschicht), Maximalzahl Kunden pro Tour, Open VRP (Fahrzeug endet beim letzten Kunden, kehrt nicht zurück — Mietfahrzeug-Szenarien), Multi-Depot-VRP. Zielfunktion meist Gesamtstrecke minimal (oder Kraftstoff); sekundär kann Fahrzeuganzahl minimiert werden.

2. Solver-Entscheidung. Drei Hauptansätze:

  • Klassische Heuristik — Clarke-Wright Savings (1964): Jeder Kunde startet auf eigener Tour (Depot → Kunde → Depot). Die “Ersparnis” aus dem Zusammenführen zweier Touren wird berechnet: liegen A und B auf getrennten Touren und werden verschmolzen, wie viel Strecke wird gespart? Das Paar mit der größten Ersparnis wird verschmolzen, solange die Kapazität es zulässt. Auch ohne Computer berechenbar; läuft in Sekunden für 100-200 Kunden; liefert in der Regel 5-10 % vom Optimum entfernt. Sechzig Jahre später ist es noch immer ein praktischer Ausgangspunkt für mittlere Operationen.
  • Exact MIP — Branch-and-Cut-and-Price (Branch-Cut-Price — Baumsuche, verstärkt durch Spaltengenerierung): liefert Optimum für 50-200 Kunden, aber Lösungszeit Minuten bis Stunden. Für wöchentliche oder saisonale Planung geeignet — schwer für tägliche dynamische Planung. MIP = Mixed-Integer Linear Programming (Optimierung mit teils 0/1-, teils stetigen Variablen).
  • Metaheuristiken — 2-opt, Or-opt, ALNS (Adaptive Large Neighborhood Search — adaptive Großnachbarschaftssuche, intelligentes Verfahren, das Teile der Lösung herausreißt und neu einfügt): Lokal-Verbesserungs-Operatoren (“zwei Kanten tauschen”) auf der Clarke-Wright-Ausgabe heben die Lösung schrittweise an. Praktisch für 200-1000 Kunden; in Minuten innerhalb von 2-5 % des Optimums.

Praxiswahl: unter 50 Kunden — Exact MIP (Optimum-Garantie); 50-200 Kunden — Clarke-Wright + 2-opt; 200+ Kunden — ALNS oder ähnliche Metaheuristik.

3. Felddeployment. Die Ausgabe ist eine geordnete Liste an Fahrer-Tablet oder Ausdruck: “Fahrzeug 1 — 08:30 Abfahrt Depot → Kunde A (1,2 t) → Kunde C (0,8 t) → Kunde F (1,5 t) → Rückkehr Depot.” Das Auftragsmanagement (ERP oder eigenständige Dispo-Software) füttert den CVRP-Solver: Auftragsliste, Bedarfe, Flottenzustand, Depotbestand. Abends oder früh morgens berechnet; bei Tagesneueinträgen Rolling-Horizon-Replanning (5-15 Minuten). Monatliche Operations-Sitzung: Ist vs Plan km, Ist vs Plan Fahrzeuge, Einsparbericht.

Alternativen

Manuell + Tabellenkalkulation + Disponent

Kostenlos

Keine Lizenz

Für wen geeignet: 1-3 Fahrzeuge, 15-30 Kunden/Tag, festes Gebiet

  • + Keine Softwarekosten
  • + Erfahrung des Disponenten im Vordergrund
  • + Schnelle Anpassung per Telefon
  • − Planqualität bricht ab 30-50 Kunden ein
  • − Keine Garantie optimaler Kapazitätsnutzung
  • − Lange Einarbeitung neuer Disponenten
  • − Keine historische km/Fahrzeug-Statistik

Lokale Tourenplanungs-Software (KMU)

Enterprise

500-3.000 EUR Setup + 200-800 EUR/Monat Abo

Für wen geeignet: 5-15 Fahrzeuge, 50-200 Kunden/Tag, ein Depot

  • + Lokale Adress- und Kartendaten integriert
  • + Deutsche Oberfläche, lokaler Support
  • + Fahrer-App enthalten
  • − Engine typisch ein einfaches Savings- oder Nearest-Neighbor-Verfahren; schwach unter komplexen Nebenbedingungen
  • − Multi-Depot oder Flotten mit verschiedenen Kapazitäten schwach
  • − Algorithmus-Transparenz begrenzt — 'warum diese Tour' lässt sich kaum beantworten

Internationale spezialisierte Tourenplanungs-Software

Enterprise

100-500 EUR/Fahrzeug/Monat Abo oder 50.000-250.000 EUR/Jahr Lizenz

Für wen geeignet: 20-100 Fahrzeuge, mehrere Depots, heterogene Flotte, komplexe Nebenbedingungen

  • + Ausgereift: kapazitierte Routenplanung plus Erweiterungen (Flotten mit gemischten Kapazitäten, Touren ohne Depot-Rückkehr, Multi-Depot) voll unterstützt
  • + Fortgeschrittene Such-Engines für große Größenordnungen
  • + Starke Szenariovergleiche
  • − Hohe Lizenz + 3-6 Monate Einführung
  • − Deutscher Support kann begrenzt sein
  • − Breites Schulungsprogramm

Open-Source-Solver + Eigenentwicklung

Open Source

Lizenz kostenlos; Eigenentwicklung 8-16 Wochen oder 30.000-100.000 EUR Beratung

Für wen geeignet: Distributor mit Tech-Team, ERP-Integration gewünscht

  • + Keine Lizenzkosten
  • + Kapazitierte Routenplanung in Open-Source-Solvern gut unterstützt
  • + Savings-Verfahren + lokale Verbesserung als Referenzimplementierungen breit verfügbar
  • − Interne Optimierungs- und Software-Expertise nötig
  • − 6-12 Monate bis zur Feldreife
  • − Wartungslast beim Betreiber

Empfehlung

Klein
1-5 Fahrzeuge, 15-40 Kunden/Tag, festes Gebiet: Weiter mit Tabellen-Planung. Drei Grundregeln (Standard-Fahrzeugreihenfolge morgens, Kapazitäts-Checkliste, neue Kunden per ’nächstes Fahrzeug’-Regel) bringen 5-10 %. Software-Investition rechnet sich nicht in 18-24 Monaten. Zuerst Messroutine aufbauen.
Mittel
5-20 Fahrzeuge, 50-200 Kunden/Tag: lokales Tourenplanungs-Abo oder internationales KMU-Produkt. 4-8 Wochen Pilot. Erwartet: Gesamtkilometer -10-15 %, tägliche Fahrzeuganzahl -1. Monatskosten 1.500-5.000 EUR. Amortisation 9-15 Monate.
Groß
20+ Fahrzeuge, mehrgebietige Distribution, 200+ Kunden/Tag: internationales Spezial-Routing + Anbindung an Warenwirtschaft / Lagerverwaltung. Jährliche Investition 150K-750K EUR. Amortisation 12-24 Monate. 12-20 % Verbesserung der gesamten Transportkosten ist die in der Branche typisch berichtete Bandbreite.

Im Gespräch fragen

  • Welche Engine — Savings-Verfahren, Solver mit Optimum-Garantie, fortgeschrittene Such-Engine oder einfaches Nearest-Neighbor? Demonstrieren Sie an 50 Kunden, welches Verfahren das Ergebnis erzeugt.
  • Gleiche Kapazitäten oder auch Flotten mit gemischten Kapazitäten? Wird in einer Flotte mit gemischten Kapazitäten die Fahrzeug-Kunde-Zuordnung von der Engine entschieden?
  • Werden Touren ohne Depot-Rückkehr (Mietfahrzeuge, Fahrzeug endet beim letzten Kunden) und Multi-Depot-Routing unterstützt?
  • Wie wird die Distanzmatrix berechnet — Luftlinie, reale Straßendistanz oder verkehrsadjustierte Zeit? Wie wurde die regionale Genauigkeit geprüft?
  • Wenn tagsüber ein neuer Auftrag eintrifft, wird der Plan neu gelöst? In wie viel Sekunden erreicht die aktualisierte Tour den Fahrer?
  • Werden Tourlängenlimits (z. B. max 6 h oder 300 km) und Fahrer-Schichtgrenzen auf Engine-Ebene durchgesetzt oder nachgefiltert?
  • Welcher Einsparbericht lässt sich nach 8-12 Wochen Pilot mit Echtdaten gegenüber der vorigen manuellen Planung erstellen?
  • Wenn wir den Vertrag beenden, in welchem offenen Format (CSV, GeoJSON oder ähnlich) lassen sich Kundenstandorte, Auftrags- und Tour-Historie sowie die Distanzmatrix exportieren?

Technische Details

Anmerkung der Redaktion

In der täglichen Sprache heißt dieses Problem “Tourenplanung”, “Verteilplan” oder “Liefersequenz”. Akademisch lautet der Name Capacitated Vehicle Routing Problem (CVRP) — das älteste und kanonische Mitglied der VRP-Familie. Dantzig und Ramser eröffneten 1959 das Feld. Die Frage, die Sie jeden Morgen stellen — “wie viele Fahrzeuge, welches Fahrzeug zu welchen Kunden, in welcher Reihenfolge, Kapazität nicht überschritten” — ist die Frage, an der die Forschung seit über 60 Jahren arbeitet.

Diese Seite darf nicht mit VRPTW (#002) verwechselt werden: VRPTW fügt für jeden Kunden ein Zeitfenster hinzu (“der Laden ist nur 09:00-12:00 geöffnet”). CVRP hat keine Zeitfenster — der Kunde ist den ganzen Tag verfügbar. Es ist der Unterschied zwischen Veganer-Liefer-Stunden und B2B-Lieferung mit flexibler Zeit. CVRP ist einfacher (weicher); VRPTW ist realistischer, aber mathematisch schwerer. Wenn Ihre Kunden wirklich flexible Annahmezeiten haben — Händlerbelieferung, B2B-Ersatzteile, Wasser-Getränke-Distribution — dann ist das Ihre Seite. Bei engen Zeitfenstern (E-Commerce-Hauszustellung, Kühlkette) siehe #002.

Im Segment am häufigsten übersehen: die praktische Stärke des Clarke-Wright-Savings-Algorithmus. 1964 für Papier-und-Bleistift-Berechnung entwickelt, als Computer noch nicht verfügbar waren, liefert diese Heuristik noch sechzig Jahre später Ergebnisse innerhalb von 5-10 % des Optimums für mittlere Operationen, in Minuten. Wenn ein Software-Anbieter eine “proprietäre Heuristik” oder “patentierten Optimierungsmotor” bewirbt, fragen Sie nach einem Benchmark-Vergleich an 50 Kunden gegen Clarke-Wright + 2-opt. Liegt der Abstand unter 2 %, lohnt sich der Aufpreis nicht. Zweiter übersehener Punkt: Qualität der Distanzmatrix. Viele Werkzeuge nutzen Luftlinie (Euklid); reale urbane Straßendistanzen sind 1,3-1,8× höher. Falsche Distanz heißt falsche Tour — die reale Straßenmatrix muss im Pilot getestet werden.

Schritt-für-Schritt für ein KMU

Phase 1 — Erst messen, dann planen. Mindestens 4 Wochen lang Tabelle führen: pro Fahrzeug tägliche km, Kundenzahl, Kapazitätsausnutzung (Ladung / Maximum), Tourdauer Depot–Depot, Fahrerstunden. Ohne diese Basis lässt sich keine Software bewerten.

Phase 2 — Kunden-Bedarfs-Tabelle erstellen. Pro Kunde: typische Bestellmenge (kg oder m³), Adresse, Koordinaten, Beschränkungen (Fahrzeuggrößenlimit — “großer Lkw kann nicht hinein”, manuelle Entladezeit). In den meisten KMU lebt diese Information nur im Kopf des Disponenten; sie aufzuschreiben bringt 5-10 % Effizienz.

Phase 3 — Pilot. 6-10 Wochen. 1-3 Fahrzeuge. Erfolgskriterium schriftlich vor Start: “in 60 Tagen Gesamtkilometer -10 %, Kapazitätsausnutzung +5 %, tägliche Fahrzeuganzahl -1.” Bei Verfehlung endet der Pilot — Ausstiegsrecht im Vertrag sichern.

Phase 4 — Rollout. 2-4 Monate auf die volle Flotte. Fahrertraining 1-2 Wochen. Ein “Champion”-Fahrer pro Zone. Monatliche Operations-Sitzung: Ist vs Plan km, Kapazitätsausnutzung, Kosten pro Kunde.

Risiken — was schiefgehen kann

  1. Bedarfsprognose driftet. Liegt die tägliche Bestellung 20-50 % neben dem Plan, ist die Kapazität halb leer oder überschritten. Bestell-Cut-off und Routenberechnungs-Zeit so nah wie möglich; Rolling-Horizon-Replanning ist Pflicht.
  2. Fahrzeugausfall tagsüber. Bricht ein Fahrzeug auf der Strecke aus, führt intuitive Umverteilung der verbleibenden Kunden zu Kapazitätsüberlauf oder ausgelassenem Kunden. Die Software muss Tagesneuberechnung unterstützen — neuer Plan in 30 Minuten.
  3. Kundenwunsch zu Zeitfenstern entsteht später. Sagt ein Kunde “ich nehme nur vormittags an”, bricht das CVRP-Modell — es wird zu VRPTW. Sobald die Zahl der Zeitfenster im Kundenstamm 10-20 überschreitet, ist die Umstellung auf einen VRPTW-Solver nötig.
  4. Bindung an einen TMS-Anbieter. Ohne Vertragsklausel zum jährlichen Export von Kundenstandorten, Auftrags- und Tourenhistorie in Standardformaten (CSV oder GeoJSON) bedeutet ein Anbieterwechsel den Verlust des operativen Gedächtnisses des Distributors.

Technische Sicht auf die Lösung

Hauptansätze in der CVRP-Literatur:

AnsatzTypische GrößeLösungszeitOptimum garantiert?
Heuristik (Disponent + Regel)1-3 Fahrzeuge, 15-30 KundensofortNein, 50-80 % optimal
Clarke-Wright Savings (1964)50-200 KundenSek-MinNein, 5-10 % vom Optimum
Clarke-Wright + 2-opt / Or-opt50-300 KundenMinutenNein, 3-7 % vom Optimum
Exact MIP — Branch-and-Cut-and-Price50-200 KundenMin-StdJa (im begrenzten Maßstab)
ALNS-Metaheuristik200-1000 KundenMinutenNein, 2-5 % vom Optimum
Spaltengenerierung100-500 Kunden, multi-tourStundenPraktisch nahe Optimum

Formulierungswahl:

  • 2-Index-Formulierung: Eine Entscheidungsvariable pro Kante (i, j). Leicht verständlich, aber schwer in großem Maßstab durch Subtour-Eliminations-Bedingungen (SEC).
  • 3-Index-Formulierung: Eine Entscheidungsvariable pro (i, j, Fahrzeug k). Flexibler für heterogene Flotte oder Open VRP; Variablenzahl wächst.

Zielfunktions-Optionen:

  • Gesamtstrecke minimal: am häufigsten; Kraftstoff + Wartung im Fokus.
  • Gesamtzeit minimal: wenn Fahrerkosten den Kraftstoff überwiegen.
  • Fahrzeuganzahl plus Gesamtstrecke (hierarchisch): zuerst Fahrzeuge, dann Strecke — für Flottenverkleinerungen.
  • Kraftstoff plus Fahrerlohn kombiniert: direkte Betriebskosten als Ziel.

Erweiterungen — praktische CVRP-Verwandte:

  • Heterogeneous Fleet VRP: Flotte mit unterschiedlichen Kapazitäten — kombiniert mit “großes Fahrzeug nicht in die Innenstadt”.
  • Open VRP: Fahrzeug endet beim letzten Kunden, keine Rückkehr.
  • Multi-Depot-VRP: mehrere Depots; jeder Kunde wird dem günstigsten zugeordnet.
  • Distance-Constrained VRP: Tourlänge durch Fahrerschicht begrenzt.
  • Asymmetric CVRP: A→B ≠ B→A wegen urbaner Einbahnstraßen.

VRPTW (#002), PDPTW (#046), DARP (#047) und TSP (#068) sind nahe Verwandte. CVRP ist das einfachste und älteste Familienmitglied; sein Verständnis ist der erste Schritt zu den anderen.

Akademische Quellen

Im sources-Block dieser Seite gelistet.

Quellen

  • Dantzig, G. B. und Ramser, J. H. (1959). The truck dispatching problem. Management Science, 6(1), 80-91. Gründungsarbeit der VRP-Familie — erste Definition als ‘TSP mit Kapazität’.
  • Clarke, G. und Wright, J. W. (1964). Scheduling of vehicles from a central depot to a number of delivery points. Operations Research, 12(4), 568-581. Klassischer Savings-Algorithmus — weiterhin praktischer Benchmark.
  • Toth, P. und Vigo, D. (2014). Vehicle Routing: Problems, Methods, and Applications (2. Auflage). SIAM-MOS. Standardwerk des VRP-Feldes.
  • Laporte, G. (1992). The vehicle routing problem: An overview of exact and approximate algorithms. European Journal of Operational Research, 59(3), 345-358. Historischer und methodischer Überblick.
  • Fukasawa, R., Longo, H., Lysgaard, J., Aragão, M. P., Reis, M., Uchoa, E. und Werneck, R. F. (2006). Robust branch-and-cut-and-price for the capacitated vehicle routing problem. Mathematical Programming, 106(3), 491-511. Moderner Exact-Algorithmus für CVRP.
  • YÖK Tez Merkezi — Stichwort: ‘kapasiteli araç rotalama’ oder ‘CVRP’ — 30+ Arbeiten aus der TR-Akademia. tez.yok.gov.tr

Glossar

Kapazitierte Tourenplanung
Entwurf kostenminimaler Touren, die an einem einzigen Depot beginnen und enden, jeden Kunden genau einmal besuchen und deren Gesamtnachfrage pro Tour die Fahrzeugkapazität nicht überschreitet.
Clarke-Wright Savings
Klassische Heuristik von 1964 für das Capacitated Vehicle Routing Problem: jeder Kunde startet auf einer eigenen Tour; Paare von Touren werden iterativ nach größter 'Ersparnis' verschmolzen, bis die Kapazität weitere Verschmelzungen verhindert.
VRP
Die Entscheidung, welche Fahrzeuge — ausgehend von einem oder mehreren Depots — welche Kunden in welcher Reihenfolge anfahren.
MIP
Optimierungsmodell, bei dem ein Teil der Entscheidungsvariablen ganzzahlig sein muss (z. B. Anzahl LKW, Anzahl Schichten).
X LinkedIn
War das hilfreich?
Korrektur vorschlagen

Ähnliche Probleme

Ein Fahrzeug, viele Stopps — in welcher Reihenfolge fahre ich alle an, damit die Gesamtstrecke minimal ist?

Sie betreiben einen Servicetechniker mit 8-15 Kundenbesuchen pro Tag (Klima, Aufzug, Weißware), einen Einzelfahrzeug-Lieferantenbesuch eines Vertrieblers oder eine PCB-Bohrmaschine, die 500-5.000 Bohrungen in Reihenfolge bringt. Alle stehen vor derselben Kernfrage: gegeben N Punkte, in welcher Reihenfolge fährt das einzige Fahrzeug oder der Kopf jeden Punkt an und kehrt zum Start zurück. Bei falscher Reihenfolge verbrennt das Servicefahrzeug 80-200 TRY/Tag extra an Kraftstoff und Fahrerstunden, die PCB-Linie braucht 15-30% länger pro Bauteil und der letzte Kunde verpasst sein Lieferfenster. Bei 50 Stopps liegt die handgemachte Reihenfolge 20-40% über dem wahren Minimum; mit wachsender Stoppzahl summiert sich die Lücke der Bauchgefühl-Reihenfolge.

Logistik 4 Min

Mehrere Werke, mehrere Kunden — Wie viel liefert jedes Werk an jeden Kunden, damit die Gesamtfracht minimal wird?

Für Lebensmittel-, Verpackungs- oder Textil-KMU, die wöchentlich aus 3-8 Werken oder Regionallagern an 20-100 Kunden liefern. Die wöchentliche Entscheidung lautet: welches Werk schickt wie viel an welchen Kunden, bei festen Werkkapazitäten, festgelegten Kundenbedarfen und je Werk-Kunde-Paar unterschiedlichen Stückkosten (Entfernung + Fahrzeugtyp + Vertrag). Ziel ist die niedrigste Gesamtfrachtrechnung über das Netz. Die Faustregel 'nächstgelegenes Werk' oder 'das machen wir schon immer so' kostet gegenüber einer systematischen Zuweisung typischerweise 10-20% zusätzlichen Diesel- und Fahrzeugaufwand.

Logistik 5 Min
Esc Schließen