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Verkehr · ÖPNV-Liniennetz und Taktgestaltung

Welche Buslinien, mit welcher Frequenz — Wartezeit und Betriebskosten gemeinsam im Optimum?

Transport 4 Min Lesezeit
#ÖPNV #Liniennetzplanung #Frequenzplanung #Taktgestaltung #Line Planning #Frequency Setting #Stadtverkehr

Ein städtischer ÖPNV-Betreiber steht vor drei gekoppelten Entscheidungen: welche Buslinien betrieben werden, mit welcher Frequenz je Zeitfenster, und welche Haltestellen jede Linie bedient. Klassisches ÖPNV-OR-Problem: Public Transit Network Design and Frequency Setting Problem (FSP).

Kurz gesagt

Wenn Sie eine kommunale Verkehrsbehörde oder ein kleinstädtischer ÖPNV-Betreiber mit 30-200 Buslinien sind, müssen Sie drei Fragen gleichzeitig beantworten: welche Linien bleiben offen, in welchem Minutenabstand fährt jede Linie in der Morgen- und Abendspitze, und wie viele Busse aus Ihrer fixen Flotte gehen auf welche Linie. Ist die Spitzenfrequenz zu niedrig, warten Fahrgäste mehr als 15 Minuten, kommen nicht in den vollen Bus und steigen aufs Auto um; ist die Frequenz im Schwachverkehr zu hoch, fahren leere Busse herum und verbrennen Steuergeld. Eine Planungsstelle, die die Linien-Haltestellen-Frequenz-Matrix nach Bauchgefühl einstellt, kann den Trade-off zwischen Fahrgastzufriedenheit und Betriebskosten nicht beziffern, und auch Investitionsentscheidungen (neue Linie aufbauen oder eine bestehende verdichten) bleiben dem Bauchgefühl überlassen. Diese Seite richtet sich an Verkehrsabteilungen, die Netz und Frequenz datengetrieben neu auslegen wollen, wenn neue Stadtviertel hinzukommen.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Wir betreiben 50-300 Buslinien in der Stadt; die Route und Haltestellen jeder Linie wurden vor Jahren gezeichnet und nicht regelmäßig überprüft — eine Linie für ein neues Stadtgebiet hinzuzufügen kostet den Planer Wochen.
  • Die Frequenz pro Linie (ein Bus alle 8 min in der Spitze, alle 20 min außerhalb) wird vom Planer aus dem Bauch heraus gesetzt; die Verbindung zwischen Fahrgastdaten und numerischem Modell ist schwach.
  • Fahrgastbeschwerden gehen in zwei Richtungen: 'morgens 15 Minuten gewartet und der Bus war voll' und 'abends fahren leere Busse, Steuergeld verbrennt' — beide Enden numerisch zu optimieren gelingt nicht.
  • An Umsteigeknoten warten Fahrgäste auf synchronisierte Ankunft; die Umstiegszeit schwankt 8-20 Minuten zwischen zwei Linien; ein periodischer Taktfahrplan ist nicht zu halten.
  • Eine höhere Linienfrequenz (= mehr Busse) ist an Budgeterhöhung gebunden; in der jährlichen Haushaltsverhandlung können wir keinen strukturierten Bericht 'mit so vielen Bussen mehr steigt die Fahrgastzufriedenheit um so viel' vorlegen.
  • Die Stadt wächst, das Nachfragemuster verschiebt sich (neue Geschäftsviertel, Universitätscampus, externe Verbindungen); bestehende Linien reagieren nicht — keine numerische Methode für die Linienoptimierung.
  • BRT-Korridor oder Integration mit Metro/Tram steht zur Debatte; im bestehenden Busnetz können wir nicht numerisch trennen, welche Linien klare Zubringer und welche direkte Bedienung sind.

Warum es wichtig ist

Die Verluste der intuitiven Vorgehensweise ‘auf diese Linie kommen drei Busse’ summieren sich auf fünf Kanälen: (1) Spitzen-Wartezeit eskaliert — in der Praxis sind 15-25 Minuten Wartezeit üblich (ein akzeptables Ziel liegt bei < 8 min); lange Wartezeiten drängen Fahrgäste direkt zum Pkw; (2) Betriebskosten suboptimal — falsche Frequenz fährt entweder leere Busse (200-500 TRY/Stunde) oder lässt nicht genug Kapazität; 15-25 % Effizienzverlust sind typisch; (3) Umsteigequalität schlecht — zwischen zwei Linien beträgt die ungeplante Wartezeit 8-20 Minuten, die Zufriedenheit sinkt, der Netzeffekt (Fahrgastanziehung) schwächt; (4) Kapazitätsanalyse schwach — ob eine neue Linie aufgenommen oder die Frequenz erhöht wird, entscheidet das Bauchgefühl; das Budget wird fehlgeleitet; (5) modaler Wechsel weg vom ÖPNV — sinkt die Qualität, weichen Fahrgäste auf den Pkw aus, Stau + Luftverschmutzung + Parkplatzbedarf steigen. Eine numerische Netz- und Frequenzoptimierung (datenbasierte Kalibrierung + mehrkriterielle Abwägung + Umsteige-Synchronisation) senkt die Wartezeit um 20-40 %, die Betriebskosten um 10-20 % und steigert die Fahrgastzahl um 5-15 %. Für einen ÖPNV-Betreiber einer 1-3-Millionen-Stadt entspricht das 30-150M TRY/Jahr operativer Marge plus Budgetoptimierung.

Wie wird es gelöst?

Technische Tiefe

In einem Satz: Liefere die Quelle-Ziel-Fahrgastströme und das Kandidaten-Linienset; ein Mathematik-Modell wählt gemeinsam aus, welche Linien betrieben werden und welche Frequenz je Zeitfenster (5/8/10/15/20 min) gilt — Wartezeit + Reisezeit + Betriebskosten zusammen minimiert.

In der Operations-Research-Literatur (Disziplin, die Mathematik und Computer für Geschäftsentscheidungen einsetzt) trägt das Problem den Namen Public Transit Network Design and Frequency Setting Problem (FSP). Die akademische Sichtweise gliedert die ÖPNV-Planung in fünf Stufen: (i) Liniennetzplanung (welche Linien, welche Routen), (ii) Frequenzplanung (Frequenz je Linie je Zeitfenster), (iii) Fahrplangestaltung (welche Fahrt zu welcher Minute), (iv) Fahrzeugumlauf (welcher Bus zu welcher Fahrt), (v) Personalumlauf (welcher Fahrer zu welchem Bus). #091 deckt die ersten beiden Schichten ab; die restlichen drei sind eigene Probleme. Lösung in drei Stufen:

1. Modellierung. Eingangsdaten: (a) Nachfragedaten — Quelle-Ziel-Matrix (Haltestelle-Haltestelle-Fahrgastfluss je Zeitfenster, aus 6-12 Monaten Ticket-/Chipkartendaten), (b) Netzdaten — Straßennetz (Segmentlänge, Durchschnittsgeschwindigkeit, Verkehrsfluss je Zeitfenster), Kandidaten-Haltestellen (bestehend + Vorschlag), Kandidaten-Linienrouten (typisch 80-300, meist bestehende plus einige Vorschläge), (c) Flottendaten — Gesamtbuszahl, Bustyp (Standard-Stadtbus, Gelenkbus, Midibus — unterschiedliche Kapazität und Stundenkosten), Wartungsfenster, Betriebshofkapazität, (d) Bedingungs-Parameter — maximale Fußgängerdistanz (300-500 m), maximale Wartezeit (Spitze < 8 min, Schwachverkehr < 15 min, Nacht < 25 min), maximale Reisezeit (mit Umstieg), Auslastungs-Obergrenze (85% der Buskapazität). Entscheidungsvariablen: welche Kandidatenlinie betrieben (0/1), pro betriebener Linie Frequenz je Zeitfenster (kontinuierlich oder diskret: 5/8/10/12/15/20 min), zugeordnete Busse je Linie (= Frequenz × Umlaufzeit). Bedingungen: Gesamtflottenbudget, jede Haltestelle von mindestens einer Linie bedient, Umsteigeknoten-Synchronisation, Auslastungs-Obergrenze, maximale Fußgängerdistanz, maximale Wartezeit. Ziel: mehrkriteriell — Minimum Fahrgast-Warte- + Reisezeit (Fahrgastzufriedenheit) plus gewichtetes Minimum Betriebskosten (Buszahl × Stundenkosten + Treibstoff + Wartung); Gewicht ist eine kommunalpolitische Entscheidung.

2. Lösung mit Solver. Klassische zweistufige Formulierung: zuerst Liniennetz (set-covering-ähnlich), dann Frequenz je Linie durch Marginalanalyse. Moderner Ansatz: kombiniertes MIP (Mixed-Integer Linear Programming — Optimierung mit teils 0/1-, teils stetigen Variablen) — Liniennetz + Frequenz gemeinsam. Spaltengenerierungsansatz (mit kleinem Anfangspool starten und nützliche Muster schrittweise hinzufügen): jede Kandidatenlinie ist eine Spalte (Pattern), das Master-Problem wählt Linien und teilt Frequenz zu. Wartezeitmodellierung — bei Poisson-Ankunft der Fahrgäste ist die mittlere Wartezeit = 1/(2×Frequenz) (analytische Formel); für Auslastungs-Effekte nichtlineare Korrektur. Mittlere Größe (50-150 Linien, 20-40 Zeitfenster) wird mit reifen MIP-Solvern in Stunden gelöst; große Größe (300+ Linien, 50+ Zeitfenster) braucht Spaltengenerierung oder Metaheuristiken (intelligente Suchverfahren — Genetisch, Tabu, LNS). Mehrkriteriell als gewichtete Summe oder hierarchisch (Fahrgastzeit zuerst, dann Kosten); Pareto-Front-Analyse wird dem kommunalen Entscheidungsausschuss vorgelegt.

3. Feldintegration. Output in drei Schichten: (a) Liniennetz-Karte — welche Linien betrieben, Linienroute + Haltestellenliste (Jahresplan der Betriebsleitstelle, saisonale Revision), (b) Frequenztabelle — Linie × Zeitfenster-Matrix (5/8/10/15/20 min), (c) Periodischer Fahrplanentwurf — Frequenz × Umlaufzeit → geschätzte Abfahrtsminute je Fahrt (nächster Schritt: Fahrplangestaltung, eigene Lösung). Die FSP-Ausgabe speist das Intelligent Transportation System (ITS): Echtzeit-Fahrgastzählung, Buspositionen (AVL), Ticket-/Chipkartendaten. Jährliche oder saisonale Netzrevision (Sommer-/Winterprogramm, Integration neuer Stadtgebiete), monatliche Frequenzanpassung (Ferien, Schulbeginn). Quartalsweiser ÖPNV-Ausschuss: Soll-Ist-Wartezeit, Linienauslastung, Fahrgastzufriedenheits-Umfrage, Modal-Shift-Bericht.

Alternativen

Manuell plus Spreadsheet

Kostenlos

Null Lizenz

Für wen geeignet: Kleine Kommune (<500K Einwohner), 10-40 Linien, 80-150 Busse

  • + Null Softwarekosten
  • + Lokale Netzkenntnis des Planers trägt
  • + Jährliche Revision im kleinen Netz machbar
  • − Über 50 Linien ist der Planer geistig gesättigt
  • − Frequenz × Linie × Zeitfenster-Raum manuell nicht optimierbar
  • − Fahrgast-Wartezeit nicht numerisch gemessen, nur gefühlt
  • − Umsteige-Synchronisation manuell nicht zeichenbar
  • − Kapazitätsanalyse (für Investitionen) schwach

Lokale ÖPNV-Management-Software

Enterprise

400K-2M TRY Lizenz + 150K-600K TRY/Jahr Wartung (TR-Marktbeobachtung)

Für wen geeignet: Mittlere Kommune (500K-2M Einwohner), 40-150 Linien, 150-400 Busse

  • + Türkische UI, lokaler Support
  • + Chipkarte + AVL-Datenflüsse integriert
  • + Linien-Haltestellen-Fahrt-Datenbank + Grundberichte fertig
  • + Nahe TR-Regulierung (kommunale Jahresberichte)
  • − FSP-Optimierungsmodul meist fehlend — Linien- und Frequenzentscheidungen weiter manuell
  • − Mehrkriterielles Modell (Fahrgastzeit vs Kosten) schwach
  • − Umsteige-Synchronisation begrenzt
  • − Keine Anbindung an akademisch fundierte Linien-Frequenz-Optimierung

Internationale ÖPNV-Planungssoftware

Enterprise

1-4M EUR Lizenz + 200K-800K EUR/Jahr Wartung (Großstadtmarkt)

Für wen geeignet: Großstadt (2M+ Einwohner), 150+ Linien, 400+ Busse, BRT/Metro integriert

  • + Reifes FSP-Optimierungsmodul — MIP, Spaltengenerierung, Metaheuristiken
  • + Multimodale (Bus + Metro + Tram) Liniennetzplanung
  • + Periodischer Taktfahrplan + Umsteige-Synchronisation integriert
  • + Reiche Kapazitätsanalyse-Berichte für Investitionen
  • − Hohe Lizenz + lange (18-30 Monate) Einführung
  • − Anpassung an TR-lokale Datenformate kostet Projektzeit
  • − Operations-Team-Schulung ist breites Programm
  • − Lokaler Support meist remote

Open-Source-Solver + eigenes FSP-Modul

Open Source

Lizenz kostenlos; interner Aufbau 24-48 Wochen oder 1-2.5M TRY Beratung

Für wen geeignet: Großstadt mit Technikteam, wenn Integration ins bestehende ITS gefordert

  • + Keine Lizenzgebühr
  • + Liniennetz- + Frequenzoptimierungs-Formulierungen gut definiert mit Open-Source-Solvern
  • + Spaltengenerierung + Metaheuristiken in Open-Source-Literatur verfügbar
  • + Felddaten (Chipkarte, AVL) direkt integriert
  • − OR-Spezialist + ITS-Integrationsteam intern erforderlich
  • − Übergang vom akademischen Prototyp zum Feldsystem dauert
  • − Wartungsverantwortung im Haus
  • − Multimodale Integration ist Zusatzaufwand

Empfehlung

Klein
Kleine Kommune, <40 Linien, <150 Busse: weiter mit manuell + Spreadsheet. Drei Kernregeln (schriftliche Frequenz-Zieltabelle Spitze/Schwachverkehr, jährliche Linienauslastungsanalyse aus Chipkartendaten, Synchronisationsziel für Umsteigeknoten) bringen 5-10% Verbesserung. FSP-Softwareinvestition zahlt sich nicht aus.
Mittel
Mittlere Kommune, 40-150 Linien, 150-400 Busse: lokale ÖPNV-Management-Software + eigenes FSP-Modul oder kompaktes internationales Produkt mit Optimierungsmodul. 9-15 Monate Pilot. Erwartete Wartezeit-Reduktion 15-25%, Betriebskosten-Einsparung 10-15%, Fahrgastwachstum 5-10%. Amortisation 24-36 Monate.
Groß
Großstadt, 150+ Linien, 400+ Busse, BRT/Metro integriert: volle internationale Planungssoftware + FSP + Fahrplangestaltung + Fahrzeugumlauf + ITS-Integration. 2-6M EUR/Jahr gesamt. Amortisation 36-60 Monate. Wartezeit 25-40% Reduktion, Betriebskosten 15-20% Einsparung, Modal-Shift (Pkw → ÖPNV) 3-8% Wachstum sind typisch.

Im Gespräch fragen

  • Haben Sie ein Liniennetz-Designmodul oder nur Frequenzplanung? Optimiert das System neu, wenn eine Linie hinzukommt oder entfernt wird?
  • Ist der Frequenzplanungsansatz analytisch (1/(2×Frequenz)-Formel), MIP oder Metaheuristik? Wie wird die Auslastungs-Korrektur modelliert?
  • Wird mehrkriterielle Optimierung (Fahrgast-Wartezeit vs Betriebskosten) unterstützt? Wie wird die Pareto-Front dem Entscheidungsausschuss präsentiert?
  • Ist das Umsteigeknoten-Synchronisationsziel eine Hard- oder Soft-Constraint? Wie wird die Wartezeit zwischen zwei umsteigenden Linien optimiert?
  • In welchem Format wird die Nachfragematrix (Chipkarte, OD-Matrix) eingespeist? Alle 6 Monate oder jährlich aktualisiert?
  • Flottenrestriktion (Gesamtbuszahl fix) + Wartungsfenster + Betriebshofkapazität — wie integriert? Ist die Linie × Frequenz × Bus-Zuordnung automatisch?
  • Kann während der Pilotphase ein 12-16-wöchiger Vergleichsbericht (Wartezeit, Linienauslastung, Betriebskosten) gegenüber der vorherigen manuellen Zuteilung geliefert werden?
  • Wenn der Vertrag endet, in welchem Format können wir Liniendesign-Historie, Frequenztabellen, Nachfragematrix, Auslastungsstatistik und Fahrplanarchiv exportieren?

Technische Details

Anmerkung der Redaktion

Dieses Problem wird umgangssprachlich “Busfrequenz”, “Linienplanung” oder “Serviceprogramm” genannt. In der akademischen Literatur trägt es zwei verbundene, aber getrennte Schichten: Transit Network Design (Liniendesign — welche Linien fahren, welche Haltestellen bedient) und Frequency Setting Problem (FSP) (Frequenz je Linie je Zeitfenster). Zusammen sind sie die ersten beiden Stufen der Planungshierarchie; die verbleibenden drei Stufen sind Fahrplangestaltung (wie in #076 bei der Bahn für periodische Fahrpläne), Fahrzeugumlauf (welcher Bus zu welcher Fahrt) und Personalumlauf (welcher Fahrer zu welchem Bus).

Probleme, die ähnlich aussehen, aber anders sind: #039 School Bus Routing Problem (SBRP) ist Festfahrplan-Schülertransport — Schulanfangszeiten sind hart, Haltestellenwahl + Schüler-Zuordnung + Routenplanung sind gekoppelt; zwei Fahrten pro Tag in zwei Richtungen; Identität der Fahrgäste bekannt. #076 Train Timetabling Problem (TTP) ist Bahn-Fahrplangestaltung — feste Infrastruktur (eingleisig, Ausweichstellen), jeder Zug einzeln geplant, periodische Takt-Koordination. #047 Dial-a-Ride Problem (DARP) ist bedarfsgesteuerter Transport — keine feste Route, Fahrzeugweg dynamisch nach Fahrgastanruf. #091 beantwortet die Frage “welche Linien laufen + mit welcher Frequenz” im städtischen Bus-Festroutennetz — Fahrgäste gehen zu einer festen Haltestelle auf einer festen Linie, die Fahrten laufen zyklisch.

Meistübersehener Punkt in der Praxis: das gemeinsame numerische Trade-off zwischen Fahrgastzufriedenheit und Betriebskosten. Praktiker passen die Frequenz aus dem Bauch heraus eine Variable nach der anderen an (‘diese Linie ist voll, Frequenz hoch’); der akademische Ansatz holt Fahrgast-Wartezeit (analytisch 1/(2×Frequenz), mit nichtlinearer Korrektur für die Auslastung) und Umstiegszeit ins numerische Modell und optimiert gemeinsam mit den Betriebskosten (Buszahl × Stundenkosten + Treibstoff + Wartung). Mit einer Pareto-Front kann dem kommunalen Entscheidungsausschuss numerische Auswahl präsentiert werden, etwa ‘wenn das Budget um 10% steigt, fällt die Wartezeit um 25%’ — intuitive Erhöhung/Senkung kann diesen Rahmen nicht aufspannen.

Zweiter übersehener Punkt: Umsteige-Synchronisation. Treffen sich zwei Linien an demselben Umsteigeknoten, ist mit Ankunftsminute der einen und Abfahrtsminute der anderen 2-4 Minuten versetzt die Umstiegszeit minimal; andernfalls bricht eine Wartezeit von 10-20 Minuten die Fahrgastzufriedenheit. Diese Anforderung wird mit periodischem Taktfahrplan behandelt (nächster Schritt: Fahrplangestaltung, eigene Lösung). Das FSP-Ergebnis sollte Frequenzen in eine gemeinsame Periodenfamilie ziehen (etwa gestaffelte 6-12-24-Minuten-Frequenzen); ohne Modell-Codierung bricht die Synchronisation in der Feldanwendung.

Schritt-für-Schritt-Roadmap — für KMU

Stufe 1 — Vorher messen, dann planen. Mindestens 12 Monate Fahrgastdaten: Chipkarten-Ein-/Ausstiege (OD-Matrix wo ableitbar), Linie × Haltestelle × Zeitfenster-Fahrgastzahl, Linienauslastungsprozent, Soll-Ist-Wartezeit (Haltestellen-Umfrage + AVL). Flotteninventar: Buszahl, Bustyp (Kapazität + Stundenkosten), Wartungsplan, Betriebshof-Rotation. Netzinventar: bestehende Linien (Routen + Haltestellen), Haltestellenstandorte, Verkehrsfluss je Segment.

Stufe 2 — Wissenskapital extrahieren. Nachfragemuster je Zeitfenster (Morgenspitze 07:00-09:00, Tag, Nachmittagsspitze 17:00-19:00, Abend, Nacht). Fahrgastprofil: Arbeit-Schule-Einkauf. Linienauslastungs-Kurve: welche Linie zu welcher Stunde überlastet, welche leer. Kandidaten-Linienset (neue Stadtgebiete, Geschäftsviertel, Universitätscampus). Umsteigeknoten und aktuelle Umstiegszeiten.

Stufe 3 — Pilot. 12-16 Wochen. Für eine Teilmenge (z.B. 15-20 der 80 bestehenden Linien, Spitzenfokus) FSP-MIP-Zuteilung parallel zur manuellen Frequenz laufen lassen. Entscheidung bleibt beim Verkehrsausschuss; FSP gibt Vorschlag. Erfolgskriterien vorab gesetzt: mittlere Wartezeit −15% mindestens, Linienauslastungs-Standardabweichung −20% (Ausgleich), Betriebskosten stabil oder −5%.

Stufe 4 — Roll-out. 18-30 Monate bis volles Netz + Fahrplangestaltung + Fahrzeugumlauf + ITS-Integration. Jährliche Netzrevision (Sommer-/Winterprogramm, Integration neuer Stadtgebiete). Quartalsweiser Verkehrsausschuss: Wartezeit-Bericht, Linienauslastungs-Update, Fahrgastzufriedenheits-Umfrage, Modal-Shift-Analyse.

Risiken — was schief gehen kann

  1. Nachfrageprognose-Drift (demografische Verschiebung). Die OD-Matrix wird aus 6-12 Monaten Historie gebaut; neue Geschäftsviertel, Universitätscampus, Wohngebiete und Einzelhandelsclusterung verändern das Nachfragemuster schnell. Ohne 6-12-monatige Neukalibrierung driftet das FSP-Ergebnis von der Feldrealität ab. Monatliches Monitoring + jährliche vollständige Neuoptimierung sind Pflicht.
  2. Budgetkürzung (Flotte schrumpft). Kommunalbudgets stehen unter zyklischem Druck; ein mittjähriges ‘der Flotte 30 Busse entzogen’ bricht die FSP-Annahme. Robuste FSP-Variante (Flotte ±15% Szenarien) oder budgetbedingte Pareto-Front-Analyse sollte dem Entscheidungsausschuss vorgelegt werden.
  3. Verkehrsdichte-Reisezeit-Anstieg. Die Linienumlaufzeit hängt vom Verkehr ab; dieselbe Frequenz in der Spitze benötigt mehr Busse. Werden Verkehrsdaten (Segmentgeschwindigkeit je Zeitfenster) nicht ins Modell eingespeist, materialisiert sich der Frequenzplan nicht (Busse zu wenig). Verkehrsmessungen müssen alle 6 Monate neukalibriert werden.
  4. Lock-in auf einen ITS-Lieferanten. Fehlt im ITS-Vertrag die Klausel ‘jährlicher Standardformat-Export der Chipkartendaten, AVL-Historie, Fahrgastzählungsstatistik, Linien-Fahrt-Archiv’, bedeutet das Verlassen des Systems den Verlust des Betriebsgedächtnisses. FSP-Modul und ITS müssen entkoppelbar bleiben (Standard-API)."

Technischer Blick auf die Lösungsmethoden

AnsatzTypische GrößeLösungszeitGarantiertes Optimum?
Heuristische Frequenz (Planer + Regel)Kleines Netz, <40 LiniensofortNein, 50-70% Optimum
Ceder-Wilson zweistufig (Linie → Frequenz)Mittleres Netz, 40-100 LinienMinuten-StundenJa (in jeder Stufe lokal)
Kombiniertes FSP-MIPMittel-groß, 50-150 LinienStundenJa (innerhalb Schranke)
Spaltengenerierung (Borndörfer et al.)Groß, 150-300 Linienviele StundenGute untere/obere Schranke
Metaheuristik (Genetisch, Tabu, LNS)Sehr groß + multimodalStunden-laufendNein, gute praktische Qualität

Zielfunktion-Wahl:

  • Ziel 1 — Min Fahrgast-Warte- + Reisezeit: Fahrgastzufriedenheits-Fokus.
  • Ziel 2 — Min Betriebskosten: Bus × Stundenkosten + Treibstoff + Wartung. Budgetfokus.
  • Ziel 3 — Max Fahrgastzahl (Modal-Shift): Pull in den ÖPNV; Gewinn vom Pkw.
  • Ziel 4 — Ausgeglichener Auslastungsfaktor: Überfüllte und leere Linien gemeinsam ausbalancieren; Effizienzfokus.

Mehrkriteriell: gewichtete Summe (Fahrgastzeit hoch gewichtet, Kosten zweitrangig) oder hierarchisch (Budget zuerst, dann Fahrgastzeit) oder Pareto-Front-Analyse.

Akademische Quellen

Im Frontmatter unter sources aufgelistet.

Quellen

  • Ceder, A. und Wilson, N. H. M. (1986). Bus network design. Transportation Research Part B: Methodological, 20(4), 331-344. Grundlegende Referenz für ÖPNV-Liniennetzplanung.
  • Ceder, A. (2007). Public Transit Planning and Operation: Theory, Modelling and Practice. Elsevier. Kanonisches Lehrbuch; Planungshierarchie und Frequenzmodelle.
  • Ibarra-Rojas, O. J., Delgado, F., Giesen, R. und Munoz, J. C. (2015). Planning, operation, and control of bus transport systems: A literature review. Transportation Research Part B: Methodological, 77, 38-75. Moderne umfassende Übersicht.
  • Schöbel, A. (2012). Line planning in public transportation: models and methods. OR Spectrum, 34(3), 491-510. Line-Planning-Literaturübersicht.
  • Borndörfer, R., Grötschel, M. und Pfetsch, M. E. (2007). A column-generation approach to line planning in public transport. Transportation Science, 41(1), 123-132. Spaltengenerierungs-Ansatz.
  • YÖK Hochschulrats-Thesenzentrum — Schlagwort: ’toplu taşıma’, ‘otobüs hat’ oder ’transit ağ’ — 20+ Thesen aus der TR-Akademie. tez.yok.gov.tr

Glossar

Transit Network Design
OR-Problem, das in einem städtischen Netz entscheidet, welche Bus- (oder Tram-, Metro-) Linien betrieben werden, welche Haltestellen jede Linie bedient und welche Route sie fährt — unter Gesamtbetriebsbudget, Nachfrageabdeckung und Umsteigequalität.
Frequency Setting
Operatives Teilproblem, das festlegt, wie oft eine ÖPNV-Linie je Zeitfenster bedient wird (z.B. ein Bus alle 6, 10, 20 Minuten), gestützt auf Nachfrageprofil, Flotte und Servicequalitätsziele.
MIP
Optimierungsmodell, bei dem ein Teil der Entscheidungsvariablen ganzzahlig sein muss (z. B. Anzahl LKW, Anzahl Schichten).
School Bus Routing
VRP-Variante (Vehicle Routing Problem), bei der Busse Schüler an zugewiesenen Haltestellen abholen und absetzen, unter Kapazität, maximaler Fahrzeit, Glockenzeit-Koordination und Gehstrecken-Gleichheit.
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