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Logistik · Klassisches Transportproblem (Hitchcock)

Mehrere Werke, mehrere Kunden — Wie viel liefert jedes Werk an jeden Kunden, damit die Gesamtfracht minimal wird?

Logistik 5 Min Lesezeit
Gilt auch für: Fertigung Einzelhandel
#Transportproblem #Hitchcock-Problem #lineare Programmierung #Flussallokation #Quelle Ziel #Frachtoptimierung #klassisches LP

Sendungsallokation von mehreren Werken oder Lagern zu mehreren Kunden oder Verteilstellen — wie viel auf jeder Strecke, sodass die Gesamtfrachtkosten minimal sind, Kapazitäten nicht überschritten werden und Nachfragen erfüllt werden. Das Gründungsproblem der linearen Programmierung: Hitchcock (1941) und Koopmans (1947).

Kurz gesagt

Für Lebensmittel-, Verpackungs- oder Textil-KMU, die wöchentlich aus 3-8 Werken oder Regionallagern an 20-100 Kunden liefern. Die wöchentliche Entscheidung lautet: welches Werk schickt wie viel an welchen Kunden, bei festen Werkkapazitäten, festgelegten Kundenbedarfen und je Werk-Kunde-Paar unterschiedlichen Stückkosten (Entfernung + Fahrzeugtyp + Vertrag). Ziel ist die niedrigste Gesamtfrachtrechnung über das Netz. Die Faustregel ’nächstgelegenes Werk’ oder ‘das machen wir schon immer so’ kostet gegenüber einer systematischen Zuweisung typischerweise 10-20% zusätzlichen Diesel- und Fahrzeugaufwand.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Wir liefern wöchentlich aus 3-8 Werken oder Regionallagern an 20-100 Kunden; welches Werk an welchen Kunden liefert, entscheidet meist Gewohnheit oder die Regel 'nächstgelegenes Werk'.
  • Wir betreiben eine Milchsammelgenossenschaft; täglicher Fluss von 50-200 Erzeugerhöfen zu 3-6 Verarbeitungsbetrieben — welcher Hof an welchen Betrieb geht, steht aus der Vergangenheit fest.
  • Wir haben eine Textil-Rohstoff- und Lohnnäher-Kette; wir liefern Garn und Stoff aus einem Zentrallager an 30-80 Lohnnähwerkstätten — die Kostenmatrix ist seit 5 Jahren nicht aktualisiert.
  • Wenn ein neues Werk oder Lager öffnet oder ein neuer Kunde dazukommt, rechnen wir die Anteile nicht neu — wir behalten die alte Aufteilung.
  • Treibstoffpreise oder Frachtverträge haben sich geändert, aber das Sendungsvolumen pro Werk-Kunde-Paar blieb gleich.
  • Die Gesamtfrachtkosten erreichen 10-20 % des Jahresbudgets; die Frage 'was würden wir sparen, wenn wir die Flüsse neu zeichnen' bleibt seit Jahren offen.
  • Wir erwägen eine Kapazitätserweiterung eines Werks; die Frage 'was bringt 1 Tonne zusätzliche Kapazität an Gesamtfrachtersparnis' ist zahlenmäßig unbeantwortet.

Warum es wichtig ist

Kosten, mit alten Flussmatrizen zu arbeiten: (1) die Gesamtfrachtkosten liegen typischerweise 10-20 % über dem Nötigen — Planer zögern, die etablierte Zuteilung zu verändern, und ‘das haben wir immer so gemacht’ frisst jeden Monat das Budget, (2) marginale Kapazitätsentscheidungen sind nicht numerisch — neue Werk- oder Lagerinvestitionen werden ‘aus dem Bauch’ entschieden, die Frage ‘was bringen mir 1 t zusätzliche Kapazität für die Gesamtfracht’ bleibt unbeantwortet, (3) wenn die Kostenmatrix seit 2-5 Jahren nicht aktualisiert wurde, wirken sich Treibstoffschocks nicht auf die Zuteilung aus; Treibstoff kann 20 % teurer sein, die Flussanteile werden trotzdem nach einer fünf Jahre alten Matrix gezeichnet, (4) in Genossenschafts- oder Kettenstrukturen bleibt das Mitglied-Betrieb-Gleichgewicht über Jahre statisch, beim Hinzukommen neuer Mitglieder oder Kunden werden die Anteile nicht neu gezeichnet, Mitgliederunzufriedenheit wächst. Die Praxis zeigt: eine systematische Flusszuteilung bringt 10-20 % Frachteinsparung gegenüber manueller oder heuristischer Zuteilung. Für einen mittelgroßen FMCG-Betreiber (3-8 Werke, 20-100 Kunden, Jahresfrachtbudget 50-300 Mio. TRY) entspricht das 5-60 Mio. TRY zusätzlichem operativem Beitrag pro Jahr. Die Lösezeit moderner Open-Source-Solver liegt im Sekundenbereich — Neulösen ist nicht so kostspielig wie befürchtet; die wirklichen Kosten entstehen dadurch, dass nicht neu gelöst wird.

Wie wird es gelöst?

Technische Tiefe

In einem Satz: Gegeben die Stück-Kostenmatrix für Werk-Kunde-Paare, die Werkskapazitäten und der Kundenbedarf, berechnet ein LP-Solver in Sekunden die Liefermenge (x_ij) von jedem Werk zu jedem Kunden — Gesamtfrachtkosten minimal, kein Kunde unterversorgt, kein Werk überlastet.

Dieses Problem erscheint in der Operations-Research-Literatur (Disziplin, die Mathematik und Computer für Geschäftsentscheidungen einsetzt) als Transportproblem oder Hitchcock-Problem, eines der Gründungsbeispiele der linearen Programmierung. Die Lösung läuft in drei Phasen:

1. Modellierung. Eingabedaten: Quellen (m Werke oder Lager — jedes mit wöchentlicher Kapazität s_i in Tonnen oder Paletten), Ziele (n Kunden oder Verteilstellen — jeder mit wöchentlichem Bedarf d_j), Kostenmatrix (c_ij — Stück-Transportkosten von Werk i zu Kunde j, TRY pro Tonne oder Palette). Entscheidungsvariable x_ij — die von Werk i an Kunde j zu liefernde Menge. Restriktionen: Gesamtversand jedes Werks ≤ Kapazität (Summe über j von x_ij ≤ s_i), Aufnahme jedes Kunden ≥ Bedarf (Summe über i von x_ij ≥ d_j), alle x_ij ≥ 0. Ziel: Minimierung der Gesamtfrachtkosten. Balanciertes Problem: Gesamtangebot gleich Gesamtnachfrage; unbalanciertes Problem: Angebot > Nachfrage (Leerkapazität) oder Angebot < Nachfrage (Unterproduktion), gelöst durch Hinzunahme einer Dummy-Quelle oder eines Dummy-Ziels.

2. Solver-gestützte Entscheidung. Da es ein reines LP (Linear Programming — lineares Ziel unter linearen Restriktionen minimieren) ist, lösen moderne LP-Solver Tausende Quelle-Ziel-Paare in Sekunden. Klassische Verfahren: Simplex-Methode (Anfang der 1950er für dieses Problem entwickelt — der kanonische LP-Algorithmus, der Optimum durch Ecken-Schritte findet); Netzwerk-Simplex (die bipartite Graphenstruktur macht es 5-10× schneller); Northwest-Corner-Regel für eine initiale Basislösung in Kombination mit MODI (Modified Distribution) / Stepping-Stone zur Verbesserung (manuelle Lehrmethode); Vogel’s Approximationsmethode (VAM) für einen klügeren Startpunkt. In der Praxis: mittlere Größe (5-50 Quellen × 50-500 Ziele) ist auf Open-Source-LP-Solvern sofort, große Größe (Hunderte-Tausende) braucht Minuten mit Netzwerk-Simplex oder Innere-Punkte-Methoden. Das Zuordnungsproblem ist ein Spezialfall — gleiche Quell- und Zielanzahl, jede Quelle zu genau einem Ziel (Kapazität = Bedarf = 1, x_ij in {0,1}); die ungarische Methode ist der klassische Solver für diesen Spezialfall.

3. Feldintegration. Ausgabe als zwei Tabellen: die primäre Flussmatrix (wöchentliche Liefermenge pro Werk-Kunde-Paar — der Hauptplan des Operations-Teams) und die Dual-Variablen (Schattenpreise für jede Quelle und jedes Ziel). Dualwerte sind direkter Input für Investitionsentscheidungen: ‘wenn die Kapazität von Werk i um 1 Tonne steigt, um wie viel sinken die Gesamtfrachtkosten’ lässt sich direkt am Dual ablesen. Feldpraxis: wöchentlich oder monatlich neu lösen; Treibstoffpreisänderungen, neue Kunden/Werke, Kapazitätswartungsfenster als Trigger. Vierteljährliches Planungskomitee: realisierte Flüsse gegen Plan, marginale Kapazitätsanalyse, Kostenmatrix-Auffrischung.

Alternativen

Manuell + Spreadsheet (Altflüsse)

Kostenlos

Null Lizenz

Für wen geeignet: Kleine Größe (≤3 Werke, ≤20 Kunden), stabile Nachfrage

  • + Null Softwarekosten
  • + Passt zur Routine des Operations-Teams
  • + Sofortige Änderung (per Telefonumlenkung)
  • − Flüsse nicht optimal — typisch 10-20 % Überfracht
  • − Ohne aktualisierte Kostenmatrix fließen Treibstoffschocks nicht ein
  • − Marginale Kapazität (für Investitionen) nicht analysierbar
  • − Bei neuem Werk/Kunde kein Neuzeichnen

Spreadsheet mit LP-Add-in

Kostenlos

Null bis niedrige Lizenz (im Office-Paket enthalten)

Für wen geeignet: Mittlere Größe (3-8 Werke, 20-100 Kunden), monatliche Entscheidung

  • + Oberfläche, die das Operations-Team nutzen kann
  • + Ausreichend für das klassische Transportproblem
  • + Geringe Schulungsfläche
  • − Langsam oder unlösbar auf großen Matrizen (200+ Ziele)
  • − Schwache Dual-Variablen-Visualisierung — kein Schattenpreis-Report
  • − Kein stochastisches Nachfragemodul
  • − Versionen und Revisionen schwach

Lokale Supply-Chain-Planungssoftware

Enterprise

200K-1M TRY Lizenz + 60K-300K TRY/Jahr Wartung (regionale SMB-Preise)

Für wen geeignet: Mittlerer-großer Betreiber (5-15 Werke, 100-500 Kunden)

  • + Lokalsprachige Oberfläche und Support
  • + Einfache ERP-Integration
  • + Lokale Frachtvertragsvorlagen
  • − LP-Solver meist gebündelt — Performance prüfen
  • − Dual-Analyse begrenzt
  • − Akademische Erweiterungen (Mehrperioden, stochastisch) begrenzt

Internationale Supply-Chain-Plattform

Enterprise

500K-3M EUR Lizenz + 150K-700K EUR/Jahr Wartung

Für wen geeignet: Großer Betreiber (15+ Werke, 500+ Kunden, mehrländerig)

  • + Reifer LP/MIP-Solver, skalierbar
  • + Reiche Dual-Analyse, Schattenpreise, Szenarienvergleich
  • + Mehrperioden- und stochastische Erweiterungen vorhanden
  • − Hohe Lizenz und langer (12-24 Monate) Rollout
  • − Lokal-Regulierungs-Anpassung verlängert Projekt
  • − Schulung des Teams ist ein breites Programm

Eigenentwicklung auf Open-Source-LP-Solver

Open Source

Lizenz kostenlos; 8-16 Wochen interne Entwicklung oder 400K-1,2M TRY Beratung

Für wen geeignet: Betreiber mit Technikteam, wünscht ERP-Plug-in

  • + Keine Lizenzgebühr
  • + Klassisches Transportproblem in Open-Source-Literatur gut definiert
  • + Mehrperioden-, stochastische, Netzwerkfluss-Erweiterungen offen
  • − Interne OR-Expertise und Datenteam erforderlich
  • − Operations-Oberfläche muss gebaut werden
  • − Wartung beim Betreiber

Empfehlung

Klein
≤3 Werke, ≤20 Kunden, stabile Nachfrage: manuelle Flussmatrix reicht. Drei Disziplinen (Kostenmatrix jährlich auffrischen, Anteile neu zeichnen bei neuem Werk/Kunde, jährliche Validierung mit leichtem Spreadsheet-LP) liefern 5-8 % Ersparnis. Volle Investition zahlt sich nicht zurück.
Mittel
3-8 Werke, 20-100 Kunden, periodische Entscheidung: lokale Supply-Chain-Software oder Spreadsheet-LP plus interne Entwicklung. 4-8 Monate Pilot. Erwartete Frachtersparnis 10-15 %, Dual-Analyse klärt 1-2 marginale Kapazitätsentscheidungen. Amortisation 12-24 Monate.
Groß
8+ Werke, 100+ Kunden, mehrländerig oder mehrperiodig: vollständige Supply-Chain-Plattform plus ERP-Integration plus internes OR-Team. Jahresinvestition 500K-2M EUR. Amortisation 18-36 Monate. 15-20 % Frachtersparnis, kontinuierliche Optimierungskultur.

Im Gespräch fragen

  • Welcher Solver treibt das Transportproblem — reine Simplex, Netzwerk-Simplex, Innere-Punkte? Typische Lösezeit bei 100 Quellen × 500 Zielen?
  • Wird automatische Balancierung (Dummy-Quelle/-Ziel) für unbalancierte Probleme unterstützt? Wird der Leerkapazitäts-Report ausgegeben?
  • Werden Dual-Variablen (Schattenpreise) als separate Tabelle ausgegeben? Lässt sich das Szenario 'Kapazität von Werk i steigt um 1 Tonne' automatisch erzeugen?
  • Wenn die Kostenmatrix aktualisiert wird (Treibstoff, neuer Frachtvertrag), erfolgt der Trigger zum Neulösen automatisch oder manuell?
  • Wird Mehrperioden-Planung (Wochen- oder Monatshorizont) unterstützt? Wird Zwischenperioden-Bestandsführung modelliert?
  • Gibt es ein eigenes Modul für den Spezialfall Zuordnungsproblem (gleiche Quell-Ziel-Anzahl, binäre Entscheidung)? Wird die ungarische Methode unterstützt?
  • Wie würde der Pilot über 8-12 Wochen reale Daten einen Einsparungs-Report gegen die vorherige manuelle Zuteilung liefern?
  • Wenn wir den Vertrag beenden, in welchem Standardformat können wir Quell-Ziel-Definitionen, Kostenmatrix-Historie und Lösungs-Archiv exportieren?

Technische Details

Anmerkung der Redaktion

Auf der operativen Ebene heißt dieses Problem “Flussplan”, “Sendungsaufteilung” oder “Werk-Kunden-Matrix”. Der akademische Name lautet Transportproblem, in manchen Quellen auch Hitchcock-Problem oder Hitchcock-Koopmans-Problem. Frank Hitchcock definierte das Problem 1941 in numerischer Form an seinem MIT-Papier; Tjalling Koopmans formulierte 1947 unabhängig eine ökonomische Fassung (zitiert beim Nobelpreis Wirtschaft 1975); George Dantzig entwickelte 1951 die Simplex-Methode speziell an diesem Problem. Es ist das Gründungsproblem der linearen Programmierung und Vorfahre der nächsten Generation — TSP, VRP, Fahrzeugrouting — die darauf aufbauten.

Unterschied zu VRP (#002, #069) ist entscheidend: VRP ist Fahrzeugrouting — eine Depot-Kunde-Kunde-Depot-Tour, in welcher Reihenfolge welches Fahrzeug welche Kunden besucht. Das Transportproblem ist Flussallokation: wie viele Einheiten jedes Werk an jeden Kunden liefert; keine Route, nur Menge. Beide sind komplementär — zuerst entscheidet das Transportproblem den wöchentlichen Fluss, dann VRP das Tagesrouting. Sie laufen in derselben Kette nacheinander. Unterschied zur Standortplanung (#010): Standortplanung ist die Entscheidung über die Eröffnung eines neuen Werks/Lagers (mit festen Eröffnungskosten); Transportproblem ist Flussallokation über bestehende Standorte (keine Eröffnungskosten). Unterschied zu p-Median (#074): p-Median wählt eine feste Anzahl von Standorten, das Transportproblem nimmt bestehende Standorte als gegeben.

Am häufigsten übersehener Punkt: Dual-Variablen und Schattenpreise. Die primalen Flüsse (wie viele Tonnen jedes Werk an jeden Kunden liefert) sind die Ausgabe, die der Praktiker sieht; die Dual-Variablen weisen jeder Quelle und jedem Ziel einen Schattenpreis zu — “wenn die Kapazität von Werk i um 1 Tonne steigt, wie viel sinken die Gesamtfrachtkosten”, “wenn der Bedarf von Kunde j um 1 Tonne steigt, wie viel steigen die Gesamtkosten”. Direkter Input für Investitionsentscheidungen: welches Werk profitiert am meisten von einer Kapazitätserweiterung, welcher Kunde hat marginale Frachtkosten höher als andere. Praktiker nutzen meist nur primale Flüsse und lesen die Duale nicht — ein kritischer Verlust für Kapazitätsinvestitionspriorisierung. Zweiter übersehener Punkt: das unbalancierte Problem. In Wirklichkeit ist die Gesamtkapazität selten exakt gleich der Gesamtnachfrage (Überkapazität oder Unterproduktion). Der Solver fügt eine Dummy-Quelle oder ein Dummy-Ziel hinzu — diese Zeile/Spalte ist der Leerkapazitäts-Report; wenn übersehen, bleibt unklar, wofür die Leerkapazität steht.

Schritt-für-Schritt für ein KMU

Phase 1 — Erst messen, dann planen. Mindestens 6-12 Monate Daten: monatliche Liefermenge pro Werk-Kunde-Paar, Stückfrachtkosten (Entfernung + Fahrzeugtyp + Vertrag), wöchentliche Werkskapazität, wöchentlicher Kundenbedarf. Kostenmatrix als separate Tabelle aufbauen — Zeilen Werke, Spalten Kunden, Zellen TRY/Tonne. Kritisch: Hat sich der Treibstoffpreis in den letzten 12 Monaten geändert — wurde die Kostenmatrix aktualisiert? Wenn nein, zeigt schon der erste LP-Lauf 5-10 % Ersparnis.

Phase 2 — Wissenskapital extrahieren. Listen Sie auf, welche Werke physisch-unmöglich für welche Kunden sind (Entfernung, Produktpassung, Vertragsklausel) — diese Restriktionen gehen als ‘verbotene Zellen’ (große Kosten) ins Modell. Werkskapazität: reale Dauerkapazität oder mit Wartungsfenstern? Kundenbedarf: stabil oder saisonal?

Phase 3 — Pilot. 8-12 Wochen. LP-Modell für eine Subregion (z. B. eine Produktlinie oder ein regionales Kundenset) aufbauen, Solver laufen lassen und Ergebnis parallel zur aktuellen manuellen Zuteilung vergleichen. Entscheidung bleibt beim Planer; LP gibt Empfehlung. Erfolgskriterium schriftlich vor Pilotbeginn: Gesamtfrachtkosten mindestens 10 % runter, Leerkapazitäts- oder unbefriedigter-Nachfrage-Report klar. Dual-Variablen-Tabelle als separate Ausgabe einfordern — Gold für Kapazitätsinvestitionen.

Phase 4 — Rollout. Über 6-12 Monate auf alle Produktlinien und Regionen ausweiten. Zu monatlichem Neulösen übergehen — Treibstoffwechsel, neuer Kunde, Kapazitätswartung als Trigger. Vierteljährliches Planungskomitee: realisierte Flüsse vs. Plan, Dual-Variablen-Report (Schattenpreis), Datum der Kostenmatrix-Auffrischung.

Risiken — was schiefgehen kann

  1. Werkskapazität schwankt in Echtzeit. Statisches LP-Modell nimmt Wochen- oder Monatskapazität fest; Wartung, Schichtausfall, Rohstoffunterbrechung verschieben sie täglich. Lösung: kürzere (wöchentliche) Neulös-Frequenz plus Sicherheitsmarge unter der Durchschnittskapazität.
  2. Kostenmatrix wird nicht aktualisiert. Treibstoff +20 % aber Matrix auf 2 Jahre alten Zahlen — LP optimiert eine veraltete Matrix und verliert real Geld. Lösung: Kostenmatrix alle 3 Monate auffrischen (Treibstoff + Frachtvertrag + Fahrzeugkosten).
  3. Kunden-Sonderwünsche nicht modelliert. Manche Kunden haben Lieferzeitfenster, Paketgrößen-Restriktion oder Produktmischregel — reines Transportproblem trägt das nicht; muss an VRP- oder Planungs-Schicht weitergegeben werden. Technisch korrekter LP-Fluss kann operativ unmöglich sein.
  4. Anbieterabhängigkeit (WMS/TMS-Lock-in). Wenn die Software Quelle-Ziel-Definitionen, Kostenmatrix und Lösungshistorie in proprietärem Format hält, bedeutet Wechsel den Verlust des Fluss-Gedächtnisses. Vertragsklausel: ‘jährlicher Export der Flussmatrix-Historie und Kostenmatrix im Standardformat’."

Technischer Blick auf die Lösungsmethode

AnsatzTypische GrößeLösezeitGarantiert Optimum?
Northwest-Corner-RegelManuelle Startlösung, beliebige GrößeMinuten (manuell)Nein — nur Startlösung
Vogel’s Approximationsmethode (VAM)Klügerer StartMinuten-SekundenNein — fast optimal
MODI / Stepping-Stone (manuell)Klein (≤10 × ≤10)StundenJa (richtig angewandt)
Simplex (allgemein)Mittel (≤500 × ≤500)SekundenJa
Netzwerk-SimplexGroß (Tausende Quellen/Ziele)Sekunden-MinutenJa
Innere-Punkte-MethodeSehr großMinutenJa (numerische Genauigkeit)
Ungarische Methode (Zuordnung)Quadratische MatrixschnellJa (Spezialfall)

Wahl der Zielfunktion:

  • Ziel 1 — Gesamtfrachtkosten minimal: Klassisch. FMCG, Rohstoff-Lohnnäher-Ketten.
  • Ziel 2 — Gesamtstrecke oder Treibstoff minimal: Bei CO₂-Fokus oder treibstoffintensiven Operationen.
  • Ziel 3 — Servicezeit gewichtet minimal: Schnellverteilung (Lebensmittel, Kühlkette).
  • Ziel 4 — Gewichteter Mix: Fracht + Service + Strafe: Kundenbasis mit Vertragsstrafen bei verspäteter Lieferung.

Das Zuordnungsproblem ist ein Spezialfall des Transportproblems: Quelle = Ziel, jede Quelle zu genau einem Ziel (Kapazität = Bedarf = 1, x_ij binär). Personal-Aufgabe-Zuordnung, Maschine-Auftrag-Zuordnung, Schiff-Liegeplatz-Zuordnung (Unter-Schicht des BAP in #026), Knoten-Matching-Probleme haben diese Form. Die ungarische Methode (Kuhn 1955) löst das Zuordnungsproblem in O(n³) — viel schneller als der allgemeinere Simplex auf denselben Daten, aber nur für den Spezialfall Zuordnung.

Mehrperioden-Erweiterung: x_ijt — Menge von Werk i an Kunde j in Periode t; pro Periode eigene Kapazität und Bedarf, mit Zwischenperioden-Bestandskosten. Wächst zum Mehrperioden-Produktions-Distributions-Planungs-Problem — behält das Transportproblem im Kern, fügt Lot-Sizing- und Bestands-Schichten hinzu.

Stochastische Erweiterung: d_j ist Zufallsvariable; die Lösung liefert eine Allokation, die in keinem Szenario die Kapazität sprengt und die erwarteten Kosten minimiert — stochastisches LP oder szenariobasiertes MIP.

Akademische Quellen

Im sources-Block dieses Dokuments aufgelistet. Hitchcock (1941) und Koopmans (1947) sind die beiden Gründungspapiere; Dantzig (1951) entwickelte die Simplex-Methode an genau diesem Problem. Bazaraa-Jarvis-Sherali (2010) und Murty (1992) sind moderne Lehrbuchreferenzen. INFORMS und das Archiv des European Journal of Operational Research tragen viele Einsatzfälle in Lieferketten und Produktions-Distributions-Netzwerken.

Quellen

  • Hitchcock, F. L. (1941). The distribution of a product from several sources to numerous localities. Journal of Mathematics and Physics, 20(1-4), 224-230. Gründungsarbeit des Problems.
  • Koopmans, T. C. (1947). Optimum utilization of the transportation system. Econometrica, 17 (Supplement). Unter den Zitaten des Nobel-Preises Wirtschaft 1975.
  • Dantzig, G. B. (1951). Application of the Simplex Method to a transportation problem. In Activity Analysis of Production and Allocation, Wiley.
  • Bazaraa, M. S., Jarvis, J. J. und Sherali, H. D. (2010). Linear Programming and Network Flows (4. Aufl.). Wiley. Standard-Lehrbuch.
  • Murty, K. G. (1992). Network Programming. Prentice Hall. Klassische Referenz zur Netzwerkprogrammierung.
  • INFORMS Interfaces — Fallstudien zu LP- und Supply-Chain-Einsätzen in Produktions-Distributions-Netzwerken. informs.org/Publications/Interfaces

Glossar

Transportproblem
Sendungsallokation von m Quellen mit fester Kapazität zu n Zielen mit festem Bedarf, minimiert die gesamten Transportkosten — das Gründungsproblem der linearen Programmierung.
Northwest-Corner-Regel
Die einfachste klassische Heuristik, um eine erste zulässige Basislösung des Transportproblems zu erzeugen: vom oberen-linken Ende der Kostenmatrix ausgehend so viel wie möglich der aktuellen Zelle zuweisen und nach rechts oder nach unten verschieben, bis Angebot und Nachfrage erschöpft sind.
MIP
Optimierungsmodell, bei dem ein Teil der Entscheidungsvariablen ganzzahlig sein muss (z. B. Anzahl LKW, Anzahl Schichten).
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